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Otto von Bismarck

* 01.04.1815 - † 30.07.1898


Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde am 1. April 1815 in Schönhausen nordwestlich von Berlin, als Sohn eines ostelbischen Rittergutsbesitzers und einer bürgerlichen Mutter geboren.

Er studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und Berlin, war anschließend, ab 1836, Gerichtsreferendar in Aachen und übernahm 1839 die Verwaltung der väterlichen Güter in Pommern. Hochkonservativ, stand Bismarck allen liberalen Bestrebungen misstrauisch gegenüber und wurde 1847 Mitglied des vereinten preußischen Landtages. Die Revolution von 1848, die er mit Gewalt unterdrückt sehen wollte, bestärkte ihn in seiner konservativen und monarchistischen Haltung.

Nach der Revolution wurde er Abgeordneter im Erfurter Parlament, führendes Mitglied der Konservativen Partei und Mitarbeiter der konservativen Kreuzzeitung. Im Frankfurter Bundestag, dem er seit 1851 als preußischer Gesandter angehörte, trat er für die Gleichberechtigung Preußens mit Österreich, der Präsidialmacht im Deutschen Bund, ein. 1859 ging Bismarck als preußischer Botschafter nach Petersburg und 1862 nach Paris.

1862 war in Preußen die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Parlament über eine Heeresform zu einem scheinbar unlösbaren Konflikt geworden und weder König noch Parlament waren zu einem Kompromiss bereit. In dieser Pattisituation berief König Wilhelm I. im September 1862 Bismarck als preußischen Ministerpräsidenten. Bismarck beendete den Heereskonflikt im Sinn der Krone, beschwor damit allerdings gleichzeitig einen Verfassungskonflikt herauf. Er löste das Parlament, das den Militärhaushalt abgelehnt hatte, auf und regierte, geschützt durch die "Lückentheorie", ohne den vom Parlament gebilligten Etat weiter. Seine nicht verfassungskonforme Politik hatte Bismarck nach seinen Amtsantritt mit seiner "Blut- und Eisenrede" gerechtfertigt, der zufolge sich in die großen Probleme der Zeit nicht durch Reden und Mehrheitsentscheidungen lösen ließen, sondern nur durch "Blut und Eisen".

Mit seinem außenpolitischen Engagement gelang es Bismarck vorübergehend, von der Krise im Inneren abzulenken. Aufgrund des Januaraufstands 1863 in Polen, schloss er mit Russland die Alvenslebensche Konvention zur gegenseitigen militärischen Unterstützung. 1864 führte Preußen gemeinsam mit Österreich Krieg gegen Dänemark, in dem Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich fielen. 1866 entschied er die Rivalität mit Österreich in einem deutschen "Bruderkrieg" in Königgrätz zugunsten Preußens, welches daraufhin Schleswig-Holstein, Lauenburg, Hannover und einige andere Gebiete erhielt. 1867 konstituierte sich unter preußischer Führung der Norddeutsche Bund und Bismarck wurde Bundeskanzler. Nach dem preußischen Sieg unterbreitete er dem preußischen Parlament die Indemnitätsvorlage, um nachträglich die formelle Bewilligung der Kosten für die Heeresform und die beiden Kriege zu erhalten. Sie wurde vom Parlament mit den Stimmen einiger Liberaler angenommen.

1870 provozierte Bismarck mit der Emser Depesche die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen und damit den Deutsch - Französischen Krieg von 1870/71, der zur Proklamation Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 in Versailles und zur Gründung des Deutschen Reiches führte. Bismarck, der Reichskanzler wurde, hatte sein Ziel der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung erreicht. Als Reichskanzler sah Bismarck seine Hauptaufgabe in der inneren Konsolidierung des Reiches und in seiner Einbindung in ein internationales Bündnissystem. Innenpolitisch suchte er durch eine "Revolution von oben", den durch Liberalisierung, Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion veränderten politischen Anforderungen zu entsprechen. Das antiliberale katholische Zentrum wollte er durch den Kulturkampf ausschalten, provozierte damit jedoch neue innenpolitische Konfrontationen, so dass er sich 1878 schließlich zum Einlenken gegenüber der katholischen Kirche gezwungen sah.

Mit dem Sozialistengesetz von 1878, das alle sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Vereinigungen verbot, sollten die "gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" unterbrochen werden. Es beschwor jedoch eine neue innenpolitische Krise herauf und verfehlte zudem sein Ziel, die Sozialdemokratie zu zerschlagen: Nach dem Auslaufen des Gesetzes 1890 wurden die Sozialdemokraten stärkste Fraktion im Reichstag. Parallel zum Sozialistengesetz initiierte Bismarck weit reichende, vergleichsweise fortschrittliche Sozialgesetze unter anderem zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung. Hintergedanke bei seinem Sozialgesetzgebungswerk war, die Arbeiterschaft für sich zu gewinnen, sie von der Sozialdemokratie zu entfremden und diese somit weiter zu schwächen.

Bismarcks Außenpolitik war definitiv und auf Frieden ausgerichtet und er bezeichnete Deutschland als "saturiert" - trotzdem engagierte er sich, von 1884 bis 1885 kurzzeitig für den Erwerb deutscher Kolonien in Afrika und im pazifischen Raum. Sein europäisches Bündnissystem zielte auf Deutschland und so schloss er 1879 den Zweibund mit Österreich, der 1882 durch den Beitritt Italiens zum Dreierbund wurde, und 1887 vereinbarte er den Rückversicherungsvertrag mit Russland.

Am 20. März 1890 entließ Kaiser Wilhelm II., Bismarck wegen unüberbrückbarer persönlicher und politischer Gegensätze aus seinem Amt.

Bismarck zog sich daraufhin auf sein Landgut Friedrichsruh im Sachsenwald zurück, wo er am 30. Juli 1898 starb.



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