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Marion Gräfin Dönhoff

* 02.12.1909 - † 11.03.2002


Marion Hedda Ilse Gräfin Dönhoff wurde am 2. Dezember 1909 auf dem Familiensitz Schloss Friedrichstein bei Löwenhagen, in Ostpreußen geboren. Ihr Vater, August Karl Graf Dönhoff, ist ein Mitglied des Preußischen Herrenhauses und Reichstagsabgeordneter, ihre Mutter Ria von Lepel eine Palastdame der Kaiserin Auguste Viktoria. Marion Gräfin Dönhoff wächst als viertes Kind in einer halb-feudalen Gesellschaft auf.

Durch dieses Land ist sie als junge Frau geritten, in ihrem vielleicht schönsten Buch, "Namen, die keiner mehr nennt", hat sie diese Landschaft mit ihren alten Alleen, weiten Feldern und dunklen Wäldern so einfühlsam wie kaum ein anderer beschrieben. Trotz ihrer adligen Herkunft sympathisiert sie mehr mit der 1918 ausgerufenen Republik als mit dem Kaiserreich.

Im Alter von 15 Jahren setzt Marion Dönhoff es gegen den Widerstand ihrer Familie durch, zunächst nach Potsdam auf ein Lyzeum und im Anschluss auf ein Jungengymnasium nach Berlin zu gehen. Dort macht sie 1928 als einziges Mädchen unter 18 Jungen ein brillantes Abitur. Nach Aufenthalten in Amerika und Ostafrika beginnt sie 1932 das Studium der Volkswirtschaft in Frankfurt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zeigt Marion Gräfin Dönhoff öffentlich ihre Ablehnung gegen das NS-Regimes. Sie versucht die Hakenkreuzfahne vom Dach der Universität zu entfernen und reißt Plakate, die Dozenten als Juden und Linke anprangern, von den Wänden. Sie verteilt Flugblätter gegen die Nationalsozialisten und wird wegen ihrer Sympathien für die Linken als die "rote Gräfin" bekannt.

Um einer Verfolgung zu entgehen wechselt sie an die Universität nach Basel. Hier gehörte auch der bedeutende politische Ökonom und Humanist Edgar Salin zu ihren Lehrern. 1935 promoviert Gräfin Dönhoff mit "summa cum laude" mit einer Arbeit über die Entstehung und Verwaltung des Dönhoffschen Familienbesitzes. Um sich dem NS-Regimes zu entziehen, unternimmt Gräfin Dönhoff längere Reisen nach Ostafrika. Nach ihrer Rückkehr nach Ostpreußen arbeitet sie ab 1937 auf den Dönhoffschen Familiengütern und nachdem ihr ältester Bruder Heinrich zum Wehrdienst eingezogen wurde, übernimmt Gräfin Dönhoff die alleinige Gutsverwaltung.

Marion Gräfin Dönhoff führt während des Krieges das Doppelleben einer regimetreuen Gräfin und Widerstandskämpferin. Sie beteiligt sich am Widerstand unter Helmuth James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von Wartenburg und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Sie leitet Mitteilungen an ausländische Diplomaten in der Schweiz weiter, hält die Verbindung zwischen den Mitgliedern des Widerstandes und knüpft Kontakte zu weiteren Sympathisanten. Nach dem scheitern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944, werden circa 200 Menschen hingerichtet, unter ihnen fast alle Beteiligten. Im Zuge zahlloser Verhaftungen gerät auch Gräfin Dönhoff unter Verdacht, sie wird jedoch nach einem Verhör durch die Gestapo wieder freigelassen.

Beim Einmarsch der sowjetischen Streitkräfte muss Marion Gräfin Dönhoff die Güter in Ostpreußen verlassen. Auf ihrer legendären Flucht, am 24. Januar 1945 ritt Gräfin Dönhoff sieben Wochen auf ihrem Fuchs "Alarich" von Ostpreußen bis nach Westfalen. Im Oktober 1945 reist Gräfin Dönhoff nach Nürnberg, um den Nürnberger Prozessen beizuwohnen. Sie kritisiert das einseitige Deutschlandbild der Alliierten, das die Existenz eines deutschen Widerstands leugnet.

Ihre zweite Heimat wurde Hamburg wo sich niederlässt. Eher zufällig stieß 1946 zu den Gründern der Wochenzeitschrift "DIE ZEIT" und begann ab 1946 ihre journalistische Karriere als Redakteurin im Hamburger Pressehaus. 1954 verlässt sie kurzzeitig aus Protest wegen eines Artikels des in der Nazi- Diktatur propagandistisch tätigen Staatsrechtlers Carl Schmitt die Redaktion. Nach journalistischen Tätigkeiten in den USA und in London kehrt sie 1955 wieder zurück und übernimmt das Ressort Politik. Marion Gräfin Dönhoff gelingt es im August 1961, die Neuerbaute Grenze nach Ost-Berlin zu übertreten und sie verfasst einen Kommentar über die Vorgänge im geteilten Berlin. Im darauf folgendem Jahr erscheint das Buch "Namen, die keiner mehr kennt", in dem sie von ihrer legendären Flucht im Jahr 1945 berichtet. In den folgenden Jahren setzt Gräfin Dönhoff ihr Engagement für eine aktive deutsche Ostpolitik fort und beteiligt sich 1964 an der Publikation "Reise in ein fernes Land - Wirtschaft und Politik in der DDR".

1966 erhielt Gräfin Dönhoff den Theodor Heuss Preis und 1968 übernimmt Gräfin Dönhoff die Chefredaktion der ZEIT. Im Dezember 1970 lädt Bundeskanzler Willy Brandt Gräfin Dönhoff in Anerkennung ihres Einsatzes zur Versöhnung zwischen Ost und West ein, ihn zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrags zu begleiten. Wie so viele Einladungen, lehnt Gräfin Dönhoff auch diese mit großem Bedauern ab. Willy Brandt bringt ihrem Entschluss jedoch tiefen Respekt entgegen.

1971 wird Gräfin Dönhoff, für ihr Engagement für Frieden und Versöhnung mit den osteuropäischen Ländern, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. 1973 wird Gräfin Dönhoff Herausgeberin der Zeitschrift "Die Zeit" und veröffentlicht auch weiterhin Artikel, widmet sich aber verstärkt eigenen Publikationen.

In dem 1976 erscheinenden Buch "Menschen, die wissen, worum es geht" legt sie am Beispiel von 17 Persönlichkeiten die politischen Auswirkungen auf das Leben der Menschen zwischen den Jahren 1916 und 1976 dar. 1979 erhielt Gräfin Dönhoff den holländischen Erasmus Preis.

1983 erscheinen Gräfin Dönhoffs Kommentare zu 40 Jahren amerikanischer Außen- und Innenpolitik unter dem Titel "Amerikanische Wechselbäder". Auf der Basis ihrer Artikel in der Zeitschrift "Die Zeit" erscheint 1985 eine weitere Sammelpublikation unter dem Titel "Weit ist der Weg nach Osten".

In ihrem 1987 erschienenen Buch "Preußen - Maß und Maßlosigkeit" lässt sie neben historischen Beobachtungen auch persönliche Erfahrungen einfließen und in der, im darauf folgendem Jahr erschienenen autobiographische Schrift "Kindheit in Ostpreußen" schildert sie ihre Kindheit und Jugend.

Im selben Jahr, wird Gräfin Dönhoff der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf verliehen. In ihrer Dankesrede kritisiert sie das gegenseitige Töten in den besetzten israelischen Gebieten und ruft damit heftige Kritik beim Zentralrat der Juden in Deutschland hervor, der ihr einen "Mangel an Sensibilität" vorwirft.

Gräfin Dönhoff hat bis zum Sommer 1989 alle Einladungen, zu den verlorenen Stätten ihren ersten Lebens zurückzukehren, abgelehnt. Erst im August 1989 reist sie erstmals nach ihrer Flucht 1945 nach Kaliningrad um ihre Geburtsstätte das Schloss Friedrichstein zu besuchen. Sie muss feststellen, dass hier nichts mehr an ihre alte Heimat erinnert und das alte Königsberg nicht wieder zu erkennen ist. Von dem alten Familiensitz der Familie Dönhoff dem Schloss Friedrichstein ist nichts mehr nicht einmal ein Trümmerhaufen vorhanden und die Gräfin selbst hat Schwierigkeiten den alten Standort ihrer Geburtsstätte zu finden.

In ihrem 1991 erschienenen Werk "Polen und Deutsche" zeichnet sie die schwierigen bilateralen Verhältnis zwischen den beiden Ländern. 1992 wird in ihrem Beisein das von ihr gestiftete neue Kant-Denkmal in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, enthüllt.

1994 wird ihr Werk "Um der Ehre willen" veröffentlicht, in dem sie ihre persönlichen Erlebnisse und Beziehungen zu den Attentätern des 20. Juli und die geschichtlichen Abläufe bis zum gescheiterten Attentat darstellt. Im selben Jahr wurde ihr vom Hamburger Senat der Professorentitel der Hansestadt Hamburg verliehen. Im Sommer 1995 wurde im polnischen Mikolaiki eine Schule nach ihrem Namen benannt, das "Lyzeum Marion Dönhoff".

1996 wird eine Biographie über das Leben Marion Gräfin Dönhoffs "Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben" von Alice Schwarzer veröffentlicht.

1999 erhielt Gräfin Dönhoff den Bruno-Kreisky-Preis, bei dessen Verleihung, Hannes Swoboda, Leiter der SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament, ihre prägende Rolle in der 50jährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hervorhebt. Während so viele ihrer, glanzvoll geschriebene Reisereportagen schnell vergilbt wirken, weil sie nur geschriebene Photographien sind. Die Dönhoff-Texte sind dahingegen von zeitlich unbegrenztem Bestehen, da die Publizistin die Wirklichkeit hinter der vordergründigen Erscheinung zu erkennen versteht. Gräfin Dönhoff zeichnet sich durch ihre ungewöhnliche Sensibilität für politische Stimmungen und Strömungen aus. Gräfin Dönhoff ist eine politisch engagierte Journalistin und Autorin und steht im ständigen Kampf für Verständigung zwischen den Nationen.

Marion Gräfin Dönhoff starb am Morgen des 11. März 2002 im Alter von 92 Jahren im Kreise ihrer Familie.



Zitate von Marion Gräfin Dönhoff


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