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Victor E. Frankl

* 26.03.1905 - † 02.09.1997


Viktor E(mil) Frankl wurde am 26. März 1905 als mittleres von 3 Kindern in Wien geboren. Seine Mutter stammt aus Prag und sein Vater aus Südmähren, letzterer ist Direktor im Ministerium für soziale Verwaltung.

Bereits im Alter von 3 Jahren "will" Frankl Arzt werden, im darauf folgendem Jahr macht sich der vierjährige Frankl Gedanken darüber, ob die Vergänglichkeit des Lebens nicht dessen Sinn zunichte macht. Ein Thema, das er später als junger Mann mit Heidegger diskutieren wird. Eine mit der Familie befreundete Erzieherin nennt den fünfjährigen Frankl "den Denker", weil er unaufhörlich Fragen stellt. Während des 1. Weltkriegs geht es der Familie schlecht, die Kinder betteln auf Bauernhöfen um Brot.

In der Gymnasialzeit von 1915 bis 1923 ist Frankl Vorzugsschüler, er beschäftigt sich mit den Naturphilosophen, besucht VHS-Kurse über angewandte Psychologie und kommt erstmals mit der Psychoanalyse in Kontakt.

1921 hält Frankl seinen ersten Vortrag über das Thema: "Über den Sinn des Lebens". Ebenfalls zu dieser Zeit ist er Funktionär der Sozialistischen Arbeiterjugend.

Nach seiner Maturitätsprüfung, über das Thema "Zur Psychologie des philosophischen Denkens", eine psychoanalytisch orientierte Pathosgraphie über Arthur Schopenhauer, beendet Frankl 1923 das Gymnasium. Im selbigen Jahr erscheinen erste Publikationen in der Jugendbeilage einer Tageszeitung. Zu dieser Zeit unterhält Frankl eine intensive Korrespondenz mit Sigmund Freud.

1924 wird Frankls Aufsatz: "Zur mimischen Bejahung und Verneinung" in der "Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse" publiziert. Frankl ist zu dieser Zeit Medizinstudent und Obmann der sozialistischen Mittelschüler Österreichs. Ebenfalls in diesem Jahr begegnet er erstmals Sigmund Freud persönlich, gerät aber zunehmend in den Einflussbereich Alfred Adlers.

1925 wird in der "Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie" Frankls Aufsatz "Psychotherapie und Weltanschauung" publiziert. Der zwanzigjährige Frankl bemüht sich um die Aufhellung des Grenzgebietes zwischen Psychotherapie und Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Sinn- und Wertproblematik, was zum lebenslangen Leitmotiv seiner Arbeit wird. Im darauf folgendem Jahr hält Frankl öffentliche Vorträge auf Kongressen in Düsseldorf, Frankfurt, Berlin und benutzt erstmals den Ausdruck Logotherapie.

1927 spitzt sich sein Verhältnis zu Alfred Adler zu, Frankl gerät unter den Einfluss von Rudolf Allers und Oswald Schwarz (Begründer der psychosomatischen Medizin). Von Max Schelers erscheinendem Buch "Formalismus in der Ethik" ist Frankl begeistert und kurze Zeit später wird er aus dem Adler-Verein ausgeschlossen, worüber er sehr betroffen ist. Adlers Tochter Alexandra, Rudolf Dreikurs und andere bedeutende Persönlichkeiten halten jedoch weiter zu ihm.

In den Jahren von 1928 bis 1929 organisiert Frankl, unterstützt von Charlotte Bühler, in Wien und 6 weiteren Städten Jugendberatungsstellen, an die sich Jugendliche in seelischen Nöten kostenlos wenden können.

1930 organisiert Frankl eine Sonderaktion zur Zeit der Zeugnisverteilung, woraufhin in Wien seit vielen Jahren erstmalig kein einziger Schülerselbstmord zu verzeichnen ist. Man wird auf ihn aufmerksam, Wilhelm Reich lädt ihn nach Berlin ein und die Universitäten von Prag und Budapest wünschen Vorträge von ihm. Frankl gibt an der VHS den ersten Kurs über Psychische Hygiene, der je stattgefunden hat. Noch vor seiner Promotion beginnt er in der Psychotherapeutischen Abteilung der Psychiatrischen Universitätsklinik zu arbeiten, wo er nach der Promotion Assistent wird.

Von 1931 bis 1932 durchläuft Frankl seine neurologische Ausbildung und praktiziert im "Maria Theresien Schlössl" in Wien. In den Jahren von 1933 bis 1936 leitet Frankl den so genannten "Selbstmörderinnenpavillon" im Psychiatrischen Krankenhaus in Wien, wo er jährlich ca. 3000 Patientinnen betreut. 1937 eröffnet Frankl als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie eine Privatpraxis.

Nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich, erhält Frankl 1938 die Leitung der Neurologischen Station am Rothschild-Spital, wo ausschließlich jüdische Patienten betreut werden. Mittels falscher Diagnosen in seinen ärztlichen Gutachten, sabotiert Frankl hier unter Einsatz seines Lebens die von den Nazis angeordnete Euthanasie von "Geisteskranken". Ebenfalls in diesem Jahr publiziert Frankl mehrere Aufsätze in schweizerischen Wochenschriften und beginnt mit der Niederschrift der ersten Fassung seiner "Ärztlichen Seelsorge".

In seinem 1939 erscheinenden Aufsatz "Philosophie und Psychotherapie. Zur Grundlegung einer Existenzanalyse" wird der Ausdruck "Existenzanalyse" geprägt. Um seine alten Eltern nicht im Stich zu lassen, lässt Frankl sein erhaltenes Visum zur Ausreise nach Amerika unbenutzt.

1942 heiratet Frankl, im September wird er verhaftet und gemeinsam mit seiner gesamten Familie ins Lager von Theresienstadt (Böhmen) gebracht. Nur eine seiner Schwestern ist vorher nach Australien entkommen. Während der Einlieferung verliert er sein Buchmanuskript. In Theresienstadt verhungert sein Vater, seine schwangere Frau wird nach Bergen-Belsen weitertransportiert, wo sie umkommt.

Von 1943 bis 1944 kommt Frankl nach Auschwitz, wo seine Mutter vergast wird und sein Bruder stirbt, später wird er nach Kaufering und Türkheim (Nebenlager von Dachau) deportiert. Im letzten Lager erkrankt Frankl 1945 an Fleckfieber und hält sich nachts wach, indem er versucht sein Buch stenographisch zu rekonstruieren.

Im April 1945 wird er befreit und kehrt nach Wien zurück, wo er vom Tod seiner Frau erfährt. Im gleichem Jahr wird Frankl Vorstand der Wiener neurologischen Poliklinik und behält diese Position 25 Jahre lang. Mit der rekonstruierten Fassung seines Buches "Ärztliche Seelsorge" habilitiert er. Außerdem diktiert er in 9 Tagen das Buch "Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager", von dem bis heute in der Englischen Fassung mehr als 9 Millionen Exemplare verkauft worden sind.

1946 beginnt Frankl die "Dritte Wiener Schule der Psychotherapie" mittels weiterer Schriften zu etablieren.

1947 heiratet Frankl in zweiter Ehe Eleonore Schwindt und kurze Zeit später wird seine Tochter Gabriele geboren. Sein viertes Buch, "Zeit und Verantwortung" erscheint bei Deuticke, alle vier Bücher sind toten Familienmitgliedern gewidmet.

1948 erhält Frankl sein philosophisches Doktorat mit einer Dissertation über das Thema "Der unbewusste Gott". Im darauf folgendem Jahr wird Frankl Privatdozent für Neurologie und Psychiatrie an der Wiener Universität und hält seine so genannten "Metaklinischen Vorlesungen", die 1949 bei Deuticke unter dem Titel "Der unbedingte Mensch" publiziert werden.

1950 gründet Frankl die "Österreichische Gesellschaft für Psychotherapie" und wird deren erster Präsident. Vorlesungen von ihm erscheinen im Buch "Homo patient" bei Deuticke und setzen einen neuen Schwerpunkt in der Logotherapie, die Tröstung des leidenden Menschen. Im Rahmen der "Salzburger Hochschulwochen" stellt Frankl seine "10 Thesen zur Person" vor.

1951 erscheint sein Buch "Logos und Existenz" im Amandus Verlag und rundet die anthropologische Grundlegung der Logotherapie ab. 1952 gibt Frankl gemeinsam mit Otto Pötzl eine psychophysiologische Studie über die seelischen Zustände während eines Absturzes heraus.

1954 erhält Frankl erste Einladungen ins Ausland und wird von den Universitäten von London, Holland und Buenos Aires um Vorträge gebeten. Gordon Allport setzt sich in den USA für ihn ein und fördert seine Schriften. 1955 wird Frankl Professor an der Wiener Universität und beginnt, an zahlreichen anderen Universitäten als Gastprofessor zu lehren.

Die beste Systematik seiner Lehre erscheint 1959 als Kapitel "Grundriss der Existenzanalyse und Logotherapie" im "Handbuch der Neurosenlehre und Psychotherapie", herausgegeben von Frankl/Gebsattel/Schultz.

1961 veröffentlicht Frankl sein anschaulichstes Werk, "Psychotherapie in der Praxis", das die meiste Kasuistik enthält. Ebenfalls in diesem Jahr erhält Frankl eine Gastprofessur an der Harvard Universität in Cambridge / USA und 1966 an der Southern Methodist Universität in Dallas / USA.

Die logotherapeutische Neurosenlehre folgt 1967 im Buch "Theorie und Therapie der Neurosen". Frankl erhält 1969 das Ehrenkreuz für Wissenschaft.

In San Diego/Kalifornien wird 1970 an der "United States International University" eine Professur für Logotherapie geschaffen und das erste Logotherapie-Institut der Welt gegründet.

1972 erhält Frankl eine Gastprofessur an der Duquesne Universität in Pittsburgh / USA. Seither hat Frankl 29 Ehrendoktorate aus aller Welt erhalten, es gibt Zentren und Logotherapie-Gesellschaften in aller Welt, und die Sekundärliteratur umfasst an die 100 Werke.

Auf dem 9. Weltkongress für Logotherapie 1993, der an der Universität von Toronto tagt, nehmen Logotherapie-Experten aus 27 Ländern teil. 1995 wird Frankl zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. Am 6. Juni 1997 erhält der 92jährige Frankl die höchste Auszeichnung der Polnischen Akademie für Medizin, die "Medicus Magnus Medaille".

Am 2. September 1997 stirbt Viktor Emil Frankl an Herzversagen.



Zitate von Victor E. Frankl


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