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Wolfgang Hildesheimer

* 09.12.1916 - † 21.08.1991


Wolfgang Hildesheimer wurde am 9. Dezember 1916 als Sohn jüdischer Eltern in Hamburg geboren und verlebte seine Kindheit in Hamburg, Berlin, Cleve, Njimegen und Mannheim.

Nach der Machtergreifung Hitlers musste der Sechzehnjährige 1933 mit seinen Eltern über England nach Palästina emigrieren.

In Israel absolvierte er von 1934 bis 1937 eine Tischlerlehre und wurde in Möbeldesign und Innenarchitektur unterrichtet.

1937 absolvierte Hildesheimer einen Bühnenbildnerkurs in Salzburg. Zwischen 1937 und 1939 studierte Hildesheimer in London Malerei und Bühnenbildnerei an der Central School of Arts and Crafts. Während dieser Zeit hielt er sich auch in Cornwall auf (Zeiten in Cornwall, 1971). Nach seiner Rückkehr nach Palästina 1939 war er bis 1942 als Englischlehrer am British Council in Tel Aviv und bis 1946 als Informationsoffizier in Jerusalem tätig.

Bei den Nürnberger Prozessen arbeitete Hildesheimer von 1946 bis 1949 als Simultandolmetscher, nach 1948 als Redakteur ihrer gesamten Protokolle.

Danach zog er sich für vier Jahre an den Starnberger See zurück, wo er wie er selbst erklärt, 1950 ziemlich unvermittelt zum Schriftsteller wurde. Bereits Hildesheimers erste Kurzprosasammlung "Lieblose Legenden" (1952) ein großer Erfolg. Danach entstanden unter anderem der satirisch-heitere Roman "Paradies der falschen Vögel" (1953) und mehrere Hörspiele, darunter "An den Ufern der Plotinitza" (1954), "Prinzessin Turandot" (1954) und "Das Opfer Helena" (1955).

1953 siedelte er nach München und 1957 ins schweizerische Poschavio (Graubünden) über. Nach 1957 gewann das Absurde in Hildesheimers Werken gegenüber dem Satirisch-Ironischen immer stärker an Bedeutung, ein Aspekt, den er in seiner 1960 gehaltenen und 1966 gedruckten Erlanger Rede "Über das absurde Theater" theoretisch zu untermauern suchte. Auf "Spiele, in denen es dunkel wird" (1958) folgten weitere Dramen ("Die Verspätung", 1961) sowie Hörspiele ("Herrn Walsers Raben", 1960).

Der Existenzthematik sind Hildesheimers wichtigste Prosawerke "Tynset" (1965) und "Masante" (1973) gewidmet, die der Autor selbst nicht als Roman verstanden wissen wollte (lediglich auf dem Buchumschlag der Erstausgabe von Masante findet sich die Gattungsbezeichnung noch).

Mit der Musik und dem Leben Wolfgang Amadeus Mozarts setzt sich eine Biographie von 1977 auseinander. 1981 erschien "Marbot. Eine Biographie", 1983 "Mitteilungen an Max über den Stand der Dinge und anderes", die letzte große Arbeit vor Hildesheimers selbst auferlegten Schreibverzicht. Weitere Werke des Autors sind die Dramen "Der Drachenthron" (1955), "Vergebliche Aufzeichnungen" (1963) und "Nachtstück" (1963), das Hörspiel "Unter der Erde" (1962) sowie "Der ferne Bach" (1985).

1969 erschienen "Interpretationen" (1969) über die von Hildesheimer verehrten Schriftsteller James Joyce und Georg Büchner, mit denen er sich auch andernorts immer wieder auseinander setzte (so übersetzte er das Kapitel Anna Livia Plurabelle aus Joyce' Roman Ulysses). Darüber hinaus legte der Autor 1970 eine herausragende Bearbeitung von Friedrich Schillers Maria Stuart (Mary Stuart) vor.

1966 erhielt Hildesheimer den Georg-Büchner-Preis. Zu den weiteren Literaturpreisen gehörten der Hörspielpreis der Kriegsblinden (1954), der Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1982) und der Literaturpreis der Stadt Weilheim (1991). Außerdem wurde er 1982 Ehrendoktor der Universität Gießen.

Bereits 1983 hatte der Hildesheimer, der Mitglied der Gruppe 47war, bewusst aufgehört, literarische Texte zu schreiben ("Das Ende der Fiktionen und andere Reden", 1984). Danach widmete er sich vorwiegend seinen Graphiken und Collagen.

Am 21. August 1991 verstarb Wolfgang Hildesheimer in seiner Wahlheimat Poschiavo (Graubünden), die ihn inzwischen zum Schweizer Ehrenbürger ernannt hatte.



Zitate von Wolfgang Hildesheimer


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