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Erich Mühsam

* 06.04.1878 - † 10.07.1934


Erich Mühsam wurde am 6. April 1878 in Berlin als Sohn des jüdischen Apothekers Siegfried Seligmann und dessen Frau Rosalie (geb. Cohn) geboren. Mühsams Familie siedelt nach Lübeck über, wo er mit seinen drei Geschwister aufwächst.

Wegen "sozialistischer Umtriebe" wird Mühsam 1896 des Gymnasiums verwiesen. Er wechselt die Schule und erlangt mit Abschluss der Untersekunda in Parchim die mittlere Reife. Von 1896 von 1899 absolviert Erich Mühsam eine Apothekerlehre und arbeitet von 1900 an in Lübeck, Blomberg (Lippe) und Berlin als Apothekengehilfe.

Mühsam lässt sich 1901 als freier Schriftsteller in Berlin nieder und schließt sich der Dichtergruppe "Neue Gemeinschaft" an. In diesem Jahr freundet sich Erich Mühsam mit Gustav Landauer (1870-1919) an, der ihn mit der kommunistisch - anarchistischen Bewegung bekannt macht. In den folgenden Jahren entwickelt sich Erich Mühsam zum Vertreter eines "literarischen Anarchismus", in dem er sich gegen bürgerliche Normen und staatliche Zwänge ausspricht.

In seinem von ihm "Gefühlsanarchismus" genannten Stil verschmelzen Ansätze anarchistischer Theoretiker wie Pierre Joseph Proudhon, Michail A. Bakunin, Pjotr A. Kropotkin (1842-1921) und Elemente des bürgerlichen Individualismus von Max Stirner (1806-1856) und Friedrich Nietzsche. Erich Mühsam arbeitete bei verschiedenen Zeitschriften, unter anderem dem "Simplicissimus", "Gesellschaft" und "Aktion", in denen er seine Artikel, die durch Kritik an bürgerlicher Autorität geprägt sind, veröffentlicht.

Mühsam kritisiert in seinen Zeitungsbeiträgen bürgerliche Tendenzen in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und lehnt den Marxismus wegen autoritärer Züge ab. Stattdessen setzt er auf die "Revolte des Subproletariats", auf eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaftsstruktur durch die untersten sozialen Schichten.

In den Jahren von 1904 bis 1908 unternimmt Erich Mühsam ausgedehnte Reisen nach Zürich, Ascona, Norditalien, München, Wien und Paris, die dem nicht begüterten Mühsam nur durch Einladungen befreundeter Schriftsteller möglich werden. Nachdem Erich Mühsam 1909 nach Deutschland zurückkehrt, gründet er in München die "Gruppe Tat" zur "Agitation des Subproletariats".

Mühsam wohnt von 1909 bis 1924 in München-Schwabing und ist eine Zentralfigur der Schwabinger Bohème. Während dieser Zeit freundet er sich mit Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger und Frank Wedekind an.

Im Februar 1910 wird Erich Mühsam wegen "Geheimbündelei" kurzzeitig inhaftiert und angeklagt, später jedoch freigesprochen. In den Jahren von 1911 bis 1919 gibt Erich Mühsam seine eigene Zeitschrift, die er "Kain, für Menschlichkeit" nannte, heraus und sämtliche Beiträge dieses Revolutionsorgans stammen aus seiner Feder.

Während des Ersten Weltkriegs versucht Erich Mühsam erfolglos, einen internationalen Bund der Kriegsgegner zu gründen. Seine radikale Auflehnung gegen den Krieg und den Kapitalismus bleiben ohne Auswirkungen. Er ist ein scharfer Verfechter einer antimilitaristischen und pazifistischen Gesinnung und nähert sich der politischen Position Karl Liebknechts an.

Wegen Kriegsdienstverweigerung wird Erich Mühsam 1915 zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt. Erich Mühsam sympathisiert seit 1916 mit der Spartakusgruppe und ist Organisator von Protesten und Streiks gegen den Krieg. Nach dem Sieg der Bolschewiki in der russischen Oktoberrevolution distanziert sich Erich Mühsam 1917 von der Münchner Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) um Kurt Eisner, die ihm nicht radikal genug die politischen Ziele verfolgt.

Im März 1918 wird Erich Mühsam wegen radikaler Straßenaktionen und Streikaufrufen in Traunstein interniert, nach wenigen Wochen aber wieder freigelassen. Am 7. November 1918 ist Erich Mühsam als radikaler Verfechter des Rätesystems und als Mitglied der Münchner Arbeiter- und Soldatenräte an der Novemberrevolution beteiligt.

Als Mitglied des Münchner Rats der Volksbeauftragten ist Erich Mühsam 1919 neben Landauer und Ernst Toller eine politische Leitfigur der Münchner Räterepublik. Am 13. April 1919 wird Erich Mühsam durch Mitglieder des Freikorps verhaftet und am 7. Juli 1919 wegen der Beteiligung an der Revolution zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt.

Im Herbst diesen Jahres ist Mühsam während seiner Haft für einige Wochen Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und entwirft hier das "Proletarisch - revolutionäre Einigungsprogramm Links von den Parteien", in dem er zum Zusammenschluss aller linken Kräfte gegen nationalistische, bürgerliche und militaristische Tendenzen aufruft. In seinem ebenfalls in der Festungshaft erscheinenden "Arbeitsdrama" mit dem Titel "Judas" und seinen zahlreichen politischen Kampfliedern wie die "Räte-Marseillaise", der "Rotgardistenmarsch" oder das Spottlied "Der Revoluzzer" setzt er sich für den Freiheits- und Glücksanspruch des Individuums gegen jeden Konformitätsdruck ein, was ihn auch in Gegensatz zu den organisierten Arbeitern brachte.

Nach 6 Jahren Haft, wird Erich Mühsam am 24. Dezember 1924 im Rahmen einer allgemeinen Amnestie freigelassen und lässt sich in Berlin nieder. Als Mitglied der "Roten Hilfe Deutschland" setzt sich Erich Mühsam 1925 in Reden, Protestkundgebungen und Straßenaktionen für die Befreiung politischer Strafgefangener ein.

Nach wenigen Monaten seiner Mitgliedschaft in der "Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands" wird er wegen seiner Nähe zur KPD ausgeschlossen. Mühsam wird Wortführer der neu gegründeten "Anarchistischen Vereinigung".

In seiner Zeitschrift "Fanal" sowie auf Vortragsreisen äußert sich Erich Mühsam, in den Jahren von 1926 bis 1931 immer wieder besorgt über den Aufstieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und bemüht sich um die Einigung der proletarisch-revolutionären Bewegung. Trotz seines politischen Engagements bleibt Mühsam ein Einzelgänger, der sich keiner Partei anschließt.

Erich Mühsam gehört 1927 dem künstlerischen Beirat der Piscator-Bühne Berlin an und schreibt 1928 in Berlin das Drama "Staatsraison", das den Fall der beiden unschuldig von der amerikanischen Justiz hingerichteten Arbeiterführer, Nicola Sacco (1891-1927) und Bartolomeo Vanzetti (1888-1927), darstellt und deren mutiges Aufbegehren und Unbeugsamkeit seiner eigenen Haltung so ähnlich war.

In dem Jahren von 1928 bis 1931 hat Erich Mühsam verstärkt Kontakte zur Führung der KPD, aber ebenso zum "sozialistischen" Flügel der NSDAP um Otto Strasser. Erich Mühsams letztes Stück "Alle Wetter", in dem er die Gefahr einer nationalsozialistischen Machtergreifung inszeniert, wird 1930 in München aufgeführt.

Erich Mühsam wird 1931 wegen wiederholter Teilnahme an radikalen Aktionen aus dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ausgeschlossen, deren Mitglieder sich der Überparteilichkeit verpflichtet haben. Joseph Goebbels nennt Erich Mühsam 1932 einen jener "jüdischen Wühler", mit denen man "kurzen Prozess" machen werde, sobald die NSDAP die Macht errungen habe.

Am 27. Februar 1933, dem Tag des Reichstagsbrands wird Erich Mühsam von Mitgliedern der Sturmabteilung (SA) verhaftet und in das Berliner Gefängnis Lehrter Straße gebracht.

In den Jahren von 1933 bis 1934 wird Erich Mühsam ohne Verurteilung im Konzentrationslager Sonnenburg, dem Gefängnis Berlin-Plötzensee und dem Zuchthaus Brandenburg inhaftiert, und ihn fast zu Tode prügelt. Im Januar 1934 wird Erich Mühsam in das KZ Oranienburg verlegt.

Am 10. Juni 1934 wird Erich Mühsam in einer Latrine des KZ erhängt.



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