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Friedrich Wilhelm Nietzsche

* 15.10.1844 - † 25.08.1900


Friedrich Wilhelm Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Rcken bei Ltzen als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren und wuchs in kleinbrgerlichem, pietistischem Milieu auf. Nach dem Tod des Vaters 1850 zieht die Familie nach Naumburg um. Er unterscheidet sich schon als Kind von seinen Altersgenossen und bekommt den Spitznamen "Kleiner Pastor", weil er Bibelsprche und geistliche Lieder mit einem solchen Eindruck aufsagen kann, dass seinen Zeitgenossen die Trnen kommen.

Mit 14 versucht sich Nietzsche an einer Autobiographie und nach seiner Ausbildung im Internat von Schulpforta beginnt er 1864 ein Studium der Theologie und klassischen Philologie in Bonn. 1865 wechselt Nietzsche zur Fortsetzung seines Studiums nach Leipzig, wo er sich unter anderem mit dem Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer beschftigt. Nietzsche wird Mitglied im Philologischen Verein, in dem er seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten vorlegt.

1868 wird Nietzsche zum Militrdienst einberufen. In diesem Jahr macht er die Bekanntschaft mit dem Komponisten Richard Wagner. 1869 wird Nietzsche wegen seiner Verffentlichungen der Doktorgrad ohne Prfung in Leipzig erteilt und aufgrund der Empfehlung seines Lehrers Ritschel wird er als auerordentlicher Professor fr griechische Sprache und Literatur an die Universitt Basel berufen. Einer seiner Universittskollegen in Basel war Jacob Burckhardt, den er als "unseren groen, grten Lehrer" bezeichnete.

1870 nimmt Nietzsche als freiwilliger Krankenpfleger am Deutsch - Franzsischen Krieg teil von dem er, wegen einer schweren Erkrankung, jedoch vorzeitig nach Basel zurckkehrt. 1872 verffentlicht Nietzsche seine erste grere Abhandlung ber "Die Geburt der Tragdie aus dem Geiste der Musik", weil diese jedoch bei den klassischen Philologen auf Ablehnung stt, wendet sich Nietzsche ganz der Philosophie zu. Im Mai 1872 wohnt Nietzsche gemeinsam mit Wagner der Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses bei.

Nietzsche ist frustriert, weil seine unzhligen Verffentlichungen ohne Reaktionen bleiben, und verffentlicht von 1873 bis 1876 die vierbndige kulturkritische Abhandlung "Unzeitgeme Betrachtungen" in der er in Anlehnung an Arthur Schopenhauer und Richard Wagner den Historismus kritisiert. Besonders im zweiten Band "Vom Nutzen und Nachtheil der Historie fr das Leben" stellt Nietzsche die Funktion der Geschichte fr die Kultivierung des Menschen dar und behauptet, dass politisch - moralische Werte der Zeitbestimmung unterliegen und somit der Kritik verfallen. 1876 wird Nietzsche von der Universitt Basel wegen seiner Krankheit suspendiert.

In dem 1878 erscheinenden zweibndigen Werk "Menschliches Allzumenschliches" vollzieht er den Bruch mit Wagner, dem er vorwirft, seine knstlerischen Vorstellungen zugunsten der Bayreuther Festspiele aufgegeben zu haben. Mglicherweise hatte das aber eine ganz unwissenschaftliche Ursache, denn er schwrmte fr Wagners Frau Cosima. Aufgrund zunehmender Kopf- und Augenbeschwerden gibt Nietzsche 1879 sein Lehramt an der Universitt Basel auf und isoliert sich zunehmend von seinen Freunden. Nietzsche verbringt die folgenden Jahre abwechselnd unter anderem in Venedig, Nizza, Sizilien und Siels-Maria (Schweiz).

In seinen 1881 und 1882 verffentlichten Werken "Morgenrte " und "Die frhliche Wissenschaft" stilisiert er in aphoristischer Form den Willen zur Macht zum allgemeinen Seinsprinzip.

In seinem 1883 erschienenen Hauptwerk "Also sprach Zarathustra" betont Nietzsche den Willen zur Macht, der den Menschen, insbesondere den noch zu schaffenden bermenschen, mit der Welt verbindet. Nietzsche schildert in diesem Werk die drei Stufen, durch die der sich entwickelnde Mensch hindurchgeht, Abhngigkeit von Autoritten und Meistern - Losreien von diesen, Erkmpfen der Freiheit und die Hinwendung zu den eigenen Werten und endgltigen Zielen. Das zugrunde liegende Menschenbild konzipiert den bermenschen, der alles Schwchliche, Krankhafte und Dekadente beseitigen sollte und erst dieser bermensch erkenne die ewige Wiederkehr des Gleichen in der Geschichte und knne so die konsequenteste Form des Nihilismus erleben.

1886 erscheint "Jenseits von Gut und Bse" in der er sich kritisch mit traditionellen jdisch - christlichen Werten auseinandersetzt. 1888 arbeitet Nietzsche an der polemischen Schrift "Der Fall".

In seiner 1888 verffentlichten und gegen das emotionale Christentum gerichteten Schrift "Der Antichrist", die schon Spuren seiner ausbrechenden psychischen Krankheit tragen, tritt er fr eine Umwertung aller Werte ein und rt seinen Zeitgenossen, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, " welche euch von berirdischen Hoffnungen reden. Nietzsche vergleicht Jesus mit Buddha, denn beide htten sich den Kmpfen und Leiden dieser Welt entzogen um ganz in einer inneren Realitt zu leben. Jesus allerdings sei nicht schuld Stifter des Christentums zu sein, dass habe erst mit Paulus begonnen. Um das lstige Christentum los zu werden, schlgt er eine neue Zeitrechnung, beginnend mit dem 30. September 1888, dem Tag der Fertigstellung seiner Schrift "Der Antichrist" vor.

In Turin kommt es im Januar 1889 zum psychischen Zusammenbruch, er umarmt ein vom Kutscher misshandeltes Pferd und wird unter wirren Reden ins Hotel zurckgebracht. Nietzsche verfllt mit 45 Jahren der Dunkelheit des Wahnsinns, Paralyse wird von den rzten diagnostiziert, und lebt seit dieser Zeit unter der Vormundschaft seiner Mutter in Jena und Naumburg. Im Jahr darauf erscheint sein letztes von ihm noch herausgegebenes Werk "Gtzendmmerung". Seine Schwester grndet 1894 das Nietzsche-Archiv, dass sich vor allem auf die Herausgabe des Sptwerks konzentriert und nach dem Tod Nietzsches Mutter 1897, zieht dieser mit seiner Schwester nach Weimar.

Am 25. August 1900 starb Friedrich Nietzsche in geistiger Umnachtung in Weimar.

Sein letztes Buch, "Der Wille zur Macht", konnte Nietzsche nicht vollenden, es wurde erst nach seinem Tod als Fragment herausgegeben. Nietzsche gilt als stilistisch hervorragender Essayist und Meister des Aphorismus. Die beeindruckende schriftstellerische Form erschwert jedoch das Eindringen in seine ohnehin nicht sehr systematischen Gedanken.



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