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Hans Sauer

* 04.06.1923 - 13.05.1996


Hans Sauer wurde am 4. Juni 1923, als ltester Sohn eines verschuldeten Bauern, geboren. Sein Vater hatte kurz zuvor den Hof bernehmen und gleichzeitig seine 11 Geschwister auszahlen mssen. Fr Hans Sauer bedeutete das von Anfang an Arbeit und Pflichterfllung: um Vier Uhr morgens aufstehen, bis sieben Uhr die Tiere versorgen, danach Schule, Feldarbeit, Schularbeiten und schlafen.

Trotzdem, fiel Hans Sauer in der Schule durch besondere Begabung auf, so dass der Lehrer ein Gesprch mit Eltern suchte um diese zu berzeugen, Ihren Sohn auf eine weiterbildende Schule zu schicken, was der Vater jedoch verbot.

Um der elterlichen Enge zu entfliehen, meldete er sich als 17-Jhriger freiwillig zur Luftwaffe. Zum Kriegsende geriet er in amerikanische Gefangenschaft und arbeitete als technischer Zeichner und bereitete sich gleichzeitig auf sein Nachkriegsstudium vor.

1950 nahm Hans Sauer dann das Studium am Oskar-von-Miller Polytechnikum in Mnchen auf und schloss dieses als 27-Jhriger mit berdurchschnittlichen Leistungen in der dortigen Abteilung Feinmechanik/Optik ab. Zustzlich machte er noch zwei Fernlehrgnge in Graphologie und Kosmobiologie.

Seine erste Anstellung fand Hans Sauer 1950 bei SIEMENS, wo er mit der Konstruktion einer elektrischen Uhr begann, deren Zeiger und Ziffern aus Neonrhren bestanden. Damit machte er seine erste Patentanmeldung, um dann schwer enttuscht in die Relaisabteilung versetzt zu werden! Dort aber entdeckte er, dass so ein Relais spannender ist, als es auf dem ersten Blick erscheint und so entwickelte er seitdem nur noch gepolte Relais.

Vor allem aus finanziellen Grnden ging er 1954 in die USA, wo er bis 1956 bei den Firmen AUTELCO und COMAR, beide in Chicago, weiter an der Relaisentwicklung arbeitete. In Amerika war die Relaistechnik weniger weit entwickelt als in Deutschland, aber die Innovationsbereitschaft war ungleich grer. Das vergrerte sein Einkommen derart, dass er schon im August 1956 gengend gespart hatte, um ein eigenes Haus und eine eigene Firma aufbauen zu knnen.

Die Frage, ob das in den USA oder in Mnchen geschehen soll, hatte sich schon 1955 anlsslich eines Treffens von Deutschstmmigen in Chicago entschieden. Dort erlebte er seine Landsleute zwar als materiell besser situiert, gleichzeitig aber "entwurzelt", oberflchlich in ihren Gedankengngen und kreativ verarmt. So kehrte er schon bald wieder nach Deutschland zurck und wurde Chefkonstrukteur bei der SCHALTBAU GmbH Mnchen.

Nach 12 Jahren Entwicklungsarbeit in groen Unternehmen war er enttuscht, dass viele seiner Relais-Entwicklungen, die er mit viel Hoffnung zu Bahnbrechenden Innovationen machen wollte, von seinen Vorgesetzten in ihrer Bedeutung "entweder nicht erkannt wurden oder diese Innovationen scheuten".

1962 wagte Hans Sauer den Schritt in die Selbstndigkeit und grndete die SDS (Sicher-Durch-System) Elektro GmbH in Mnchen. Bei dem dafr erforderlichen Kapitalbedarf war er auf potente Partner angewiesen, und war in dem Glauben das dies doch ohne Probleme zu realisieren wre. Es gestaltete sich jedoch Anfangs etwas schwieriger als erwartet, sodass er in dieser Zeit von seinem Ersparten leben musste. Darber hinaus hielt er sich mit dem Vertrieb von Miniglhlampen, amerikanischen Relais und als Vermittler fr die Relais-Firmen W. Gruner KG und Schleicher KG ber Wasser. Die Probleme seines jungen Unternehmens, einen Platz auf dem Weltmarkt zu erobern, sollten sich bald auf unerwartete Weise lsen.

Zunchst meldete sich auf der Suche nach einer Sekretrin Eva Mller, aus der spter Eva Sauer wurde und mit der er gemeinsam den Ausbau der SDS zu einer ganzen Firmengruppe erreichte. Auerdem bewarb sich eine japanische Medizinstudentin, die von der Arbeit als Sekretrin keine Ahnung hatte, dieses aber innerhalb von 14 Tagen lernen wollte. Auf Nachfragen erfuhr Hans Sauer, dass sie ihren Vater nicht lnger finanziell belasten wollte. Diese Einstellung gefiel Hans Sauer genauso, wie der Medizinstudentin sein Vorschlag: Sie knne mit weniger Aufwand mehr Geld verdienen, wenn sie ihm Kontakt zur japanischen Relaisindustrie herstellen wrde.

Und das konnte sie wirklich. Dank Ihres Vaters Ureo Egawa, einem japanischen Fernsehstar - er wurde als eine Mischung aus Heinz Rhmann und Curd Jrgens beschrieben -, wurde es mglich mit acht Firmen Kontakt aufzunehmen. Alle waren sofort bereit Hans Sauers Relais zu bauen. Seine Wahl fiel auf die MATSUSHITA-ELECTRIC-WORKS.

Die Kooperation gestaltete sich vor allem durch den Ansprechpartner Kaoru Kobayashi sehr erfolgreich. Sie war von so groem gegenseitigem Vertrauen geprgt, dass der Vertrag zwischen Matsuhita und SDS nur eine einzige Seite umfasste!

Diese Erfolgsstory wurde weitergefhrt, was sich durch eine Umgrndung in die SDS Relais AG, die moderne Produktions- und Vertriebssttten in Deutschland, sterreich, der Schweiz, Frankreich, Italien, England und Schweden sowie schlielich auch in den USA unterhielt, dokumentieren lsst. Allein in Europa erwirtschaftete die SDS-Relais AG in einem Zusammenspiel von deutschem Erfindergeist und japanischer Innovationskraft 1985 einen Umsatz von umgerechnet ca. 40 Mio. Euro.

Hans Sauers kam zu der berzeugung, dass hinter diesem Erfolg kein Zufall, sondern eine Gesetzmigkeit steht, die es zu begreifen, zu nutzen und zu lehren gilt - ganz seinem Vorbild Konosuke Matsushita ( 1894-1989) Erfinder, Unternehmer, Philosoph - folgend.

Hans Sauer war berzeugt, dass die Gemeinsamkeit aller erfolgreichen Unternehmungen auf der Fhigkeit in Zusammenhngen zu denken und dieses Denken unkonventionell einzusetzen, basiert. Daraus resultieren Innovationen bzw. Ergebnisse, die dann jeweils verantwortungsvoll umzusetzen waren. In dieser Zeit schloss er sich mit Gleichgesinnten zusammen und entwickelte in der Deutsche Aktionsgemeinschaft Bildung-Erfindung-Innovation das DABEI-Handbuch: einen praxisnahen Leitfaden fr Erfinder und Unternehmer. Mit Hilfe von 116 Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen entstand 1987 ein Handbuch mit umfassenden Informationen ber den Weg und die Prozesse von einer Idee bis hin zum erfolgreichen Produkt.

Eigentlich htte sich Hans Sauer zurckziehen und seinen Lebensabend genieen knnen, aber fr ihn waren Fragen offen, die nach Antworten verlangten:

Ist eine "kybernetische Kreativitt", worauf seiner Ansicht nach die dargelegten Ergebnisse beruhten, erlernbar? Warum verhlt sich die Menschheit - wider besseren Wissens - umweltfeindlich? Was ist die Ursache unserer Verantwortungslosigkeit gegenber Natur und Mensch? Wie knnen wir Erfindern bei der Realisierung ihrer Erfindung helfen?

Um auf diese Fragen Antworten zu finden, verkaufte Hans Sauer seine Firmengruppe an Matsushita und rief zusammen mit Gleichgesinnten, den Kuratoren Ludwig Blkow (MBB), Artur Fischer (Fischerwerke), Erich Huer (Prsident des Deutschen Patentamtes), Wilhelm Ebert (Prsident des Weltlehrerverbandes) und seiner Frau Eva Sauer die HANS-SAUER-STIFTUNG ins Leben, die am 04. Oktober 1989 gegrndet wurde.

Damit schuf er eine Institution, deren Schwerpunkt die Frderung von Kreativitt und Innovation ist, was aber eng mit einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und der menschlichen Gesellschaft verbunden sein muss.

Hans Sauer verstarb am 13. Mai 1996 in Deisenhofen.

Mit freundlicher Genehmigung der HANS-SAUER-STIFTUNG


Zitate von Hans Sauer

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Foto des Autoren Hans Sauer
Hans Sauer
Quelle & Rechte:
HANS-SAUER-STIFTUNG