Apho Logo


Josef Hofmiller

* 26.04.1872 - † 11.10.1933


Zitate von Josef Hofmiller

Insgesamt finden sich 76 Texte im Archiv.
Es werden maximal 7 Texte, täglich wechselnd, angezeigt.

Genie. Alle Vollender sind Sackgassen. Ein Genie scheint die endgültige Form gefunden zu haben, aber wenn es stirbt, zeigt es sich, daß es allein sie ausfüllte und kein anderer mit ihr etwas anfangen kann.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Vereinfachen. Wir sind ... davon überzeugt, daß nur die einfachen Werke fortleben; daß nur sie wirklich künstlerisch sind; daß es zum Wesen der Kunst gehört, daß dies vielleicht das Wesen der Kunst ist: zu vereinfachen.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Vorbilder. Man verliert gar zu leicht den Maßstab, wenn man nichts als deutsche Bücher liest. Man verliert ihn ebenso, wenn man nichts als gleichzeitige Bücher liest.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Fortschritt. Der Kunstbetrieb kann, um überhaupt zu bestehen, auf die Fiktion des Kunstfortschritts nicht verzichten. Aber in der wirklichen Kunst gibt es nicht nur Noten, sondern auch Pausen, sogar Generalpausen; wer während einer solchen Pause doch spielt, ist ein Patzer, und was er macht, ein Gickser.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Klassik. Ich glaube, daß man nie vom Klassischen weiter entfernt ist, als wenn man sich einbildet, es zu erreichen ... Es gibt überhaupt nur ein Rezept, Klassiker zu werden: nämlich sich seinem Daimonion, dem Karma seines Individuums, seiner Zeit, seines Volkes hinzugeben ohne Schielen nach Dichterkränzen auf dem Kapitol, nach dem grand siècle.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


»Klassisch«? Wir können solcher Etiketten nicht antraten, die wir den Dingen aufkleben, um sie zu benennen. Von Zeit zu Zeit fallen die Etiketten ab, oder sie werden unleserlich, oder die Sachen werden nach neuen Gesichtspunkten umgestellt, dann kleben wir neue Etiketten auf: solange uns die Dinge selbst mehr interessieren als unsere Etiketten, ist alles in Ordnung.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Wandern. Das zaubervoll Überraschende des Wanderns: Unser Unbewußtes schickt gleichsam fünf Dutzend Einfälle voraus, von denen jeder an seinem bestimmten Punkt des Weges uns plötzlich anspricht.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955