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Josef Hofmiller

* 26.04.1872 - † 11.10.1933


Zitate von Josef Hofmiller

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Voltaire. Ein Geist zweiten Ranges, aber unter ihnen einer der ersten. Es gibt Autoren, die in die Literaturgeschichte gehören, und solche, die in die Geschichte der Menschheit gehören. Man könnte sicher die Geschichte der ganzen Literatur, zur Not sogar die der französischen schreiben ohne Voltaire zu nennen; aber man könnte die Geschichte der Menschheit nicht schreiben, ohne seinen Namen zu nennen.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Für heute! Der Kritiker, nicht der Literarhistoriker, hat es mit den Lebenden zu tun; er will wirken, auf den Autor, auf das Publikum; darum wird er oft zum Polemiker, zum Pamphletisten. Lebendiges kann nicht mit den Augen des Historikers gesehen werden, ohne daß sich die Horizonte verschieben, die Linien verwischen, die Entfernungen verzerren, die Dimensionen verfälschen.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


— Das Romanfragment »Andreas oder die Vereinigten«. Es teilt mit Hofmannsthals erstem erzählenden Versuch, dem Märchen der 672. Nacht, das Grundgefühl von der tiefen Sonderbarkeit des Daseins, von seiner Magie, wie Novalis sagen würde, der in den Skizzen häufig zitiert wird. Das Fragment ist für jeden Leser das, was er daraus macht. Für den einen also fast nichts, für den andern fast alles. Es wächst bei wiederholtem Lesen, wandelt sich, zieht sich zurück, kommt wieder näher.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


— Die Berührung der Sphären. Der Essay wird zur Dichtung. Hier weht der Odem der großen, der Weltliteratur. Tiefe Dinge werden mit einer schwebenden Leichtigkeit gesagt, die seit Platon verloren schien, und alltägliche mit einem Licht überstrahlt, daß sie wie verwandelt dastehen. Es ist seltsam, wie Hofmannsthal durch seinen Tod gewachsen scheint: entrückter und zugänglicher, höher und menschlicher zugleich.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


- Jedes Ding hat seine einzig vollkommene Kunstform, seine einzig gemäße innerliche Proportion. Beides herauszufinden ist Sache der genialen Intuition und des ernstesten Nachdenkens. Denn auch dem Künstler erscheint allerlei lügnerisches Gaukelgelichter als Gesicht und Offenbarung.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Genialität. Es gibt eine höchste erarbeitete Kongruenz von Form und Gehalt, die Genialität vortäuscht; Beispiele Vergil, Racine. Aber beim Genie sind Form und Gehalt nicht kongruent, sondern identisch, und nicht erarbeitet, sondern intuiert. Wie die römische, ist die französische Literatur zwar höchst talentiert, aber typisch ungenial; während es eine typisch geniale Literatur ebensowenig geben kann, wie ein typisch geniales Individuum. Genialität schließt das Typische aus, fällt aus dem Typischen heraus.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955


Rudolf Borchardt. Was Borchardt schreibt, erhebt Anspruch auf gründliches Durchdenken. Er legt den strengsten Maßstab an und nimmt ihn für sich in Anspruch. Er setzt vom Leser viel voraus, um ihm noch mehr zu geben. Ein jeder, für den die Literatur gleichbedeutend ist mit jeweiligen Neuigkeiten des Buchhandels, lasse seine Finger von ihm; er würde sie sich nur verbrennen. Man ist mit einem Schlage der landläufigen Literaturbetriebsamkeit entrückt, und gewissermaßen aus dem House of Comraons in das der Lords versetzt.


Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955