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Einschränkung. Ich habe manchmal das Gefühl, als lasse sich über eine Literatur nur in der Sprache dieser Literatur schreiben, ungefähr wie man Mozart, Beethoven nur auf einem zeitgenössischen Instrument ganz herausbringt. Französisch würde ich das alles gedämpfter vorbringen, innerlich gemäßer, sachlich schärfer.
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955
Vereinfachen. Wir sind ... davon überzeugt, daß nur die einfachen Werke fortleben; daß nur sie wirklich künstlerisch sind; daß es zum Wesen der Kunst gehört, daß dies vielleicht das Wesen der Kunst ist: zu vereinfachen.
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955
Deutsches Wesen. Das Tempo, in dem Deutschland seit 1870 ein reiches Land wurde, war ein furioses Presto. Wir schössen treibhausartig unheimlich in die Höhe. Da stimmte etwas nicht. Das normale deutsche Tempo, hat Richard "Wagner gesagt, ist das Andante ... Im Wesen unseres "Volkes ist etwas, das uns vor dem Reichwerden warnt; eine Angst vor jäher Größe und Macht. Unsre tiefsten Märchen sind das vom Fischer und seiner Frau und Hans im Glück ... Mit den anderen Völkern verglichen, sind wir Philister und unser Traum vom Glück ist das Idyll.
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955
Form. Es gibt kein bißchen Form. Es gibt keine zufällige Form. Es gibt nur notwendige Form. Künstlerische Form ist sichtbar gewordenes Wesen. Form abgetrennt vom Inhalt existiert für den Dichter sowenig wie Haut, abgetrennt vom Körper für den Maler. Form ist alles.
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955
Genie und Talent. Der Unterschied zwischen Genie und Talent trifft nicht nur zu für Individuen, sondern auch für ganze Literaturen. Die griechische Dichtung ist durchweg genial; die römische nirgends: es gibt keine Genialität aus zweiter Hand.
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955
Schule des Romans. Es nützt alles nichts, wir müssen fleißiger die großen ausländischen Erzähler des vorigen Jahrhunderts lesen, um zu erkennen, wie dürftig daneben fast alles wirkt, was sich gegenwärtig Roman heißt. Dabei kommt es nicht im geringsten, auf die äußere, sondern einzig auf die innere Dimension an.
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955
Erben. Der Hintergrund, von dem sich so viele Werke dieser Zeit abheben, ist nicht Natur und Leben, sondern Papier. Droht nicht der Schulsack manche Dichter zu erdrücken? Werden sie allmählich so gelehrt, daß sie jede Kühnheit mit einer Belegstelle entschuldigen können?
Quelle: "Form ist alles. Aphorismen." Ausgewählt von Ralph Rainer Wuthenow. R. Piper-Verlag, München - 1955