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Wolfgang Luley

* 1975


Sie möchten sicher gerne mehr über meine literarischen Vorbilder erfahren? Und darüber, wie ich dazu kam, in die Tasten zu greifen?

Ich wurde in Mannheim geboren, einer Stadt voller Sprücheklopfer. Was landläufig als "Kalauer" bezeichnet wird, ist in Mannheim "En locker Schpruch". Etwa so: Was sind zwei Mannheimer im Gespräch miteinander? Ein selbst verfasstes Zitatenlexikon. So bin auch ich ein Zitatenlexikon, das sich selbst fortschreibt; sei es im Gespräch oder alleine an meinem Schreibtisch.

Besondere Schreibanlässe brauche ich keine. Das liegt vielleicht an meiner Offenheit und Beobachtungsgabe? Wer aufmerksam ist, dem fallen immer witzige und kuriose Zusammenhänge auf. Als ich einmal unser Nationaltheater besuchte, es wurde eine Komödie gespielt, überkam mich, nach dem Schlussvorhang, die Erkenntnis: Auf dem Theater ist alles nur Komödie, dank des Vorhangs. Im Leben selbst gibt es keinen Vorhang, da geht das Spiel weiter. Und nicht selten wird aus Spiel Ernst und aus Ernst Tragödie. Da liebe ich mir das Theater mit seinem Vorhang.

Ich bezeichne mich weder als tiefer Denker, noch überhaupt als einen Denker. Wenn überhaupt, dann beobachte ich nur und spitze die Erkenntnis mit Worten zu. Dazu genügt eine gewisse Bauernschläue, mit der bei uns Mannheimern jeder reichlich gesegnet ist.

Ist es klug, sich als bauernschlau zu bezeichnen, da Aphoristiker als weise, klug, witzig und geistreich angesehen werden? Ja, das glaube ich schon. Es mag ein Sakrileg sein, aber vor Namen hatte ich schon als Kind wenig Respekt. Liest man, was Lichtenberg, Kraus, Ebner-Eschenbach usw. geschrieben haben, muss man zugeben, dass ihr Geist sowohl Höhen- als auch Tiefflüge kannte. Ja, wer Sprüche klopft, ist mal schlau, mal genial, mal dumm. So kann man bei allen Klassikern der Spruchgattung Dummheiten finden. Schmälert das ihren Ruf? Keine Ahnung. Jedenfalls vergöttere ich keinen von ihnen. Lieber bleibe ich aufmerksam und strenge selbst meinen Kopf an.

Wer jetzt auf eine Liste mit Vorbildern gehofft hatte, ist vielleicht enttäuscht? Sorry Leute! Andererseits: Nietzsche, Jean Paul, Goethe usw. haben immer selber nachgedacht. Und genau darin liegt ihre Vorbildfunktion, ihre Klassizität. Man wird nicht dadurch zu einem Vorbild, dass man von anderen nachgeeifert wird, das wäre bloßes Epigonentum, man wird Vorbild durch die Art, wie man Themen angeht und sie durchdenkt. Daher sollte man nicht in die Fußstapfen seiner Vorbilder treten, sondern, man sollte auf das achten, was sie für achtenswert gefunden haben und warum sie es für achtenswert gefunden haben. So lernt man und regt zu eigenen Gedanken an. Mehr taten unsere Vorbilder auch nicht.

Lese ich, was ich bisher geschrieben habe, fällt mir auf, dass ich wenig über mich sage. Andererseits habe ich auf Zahlen und Daten nie viel Wert gelegt. Ein Autor gibt sich immer preis, sei es im Roman, im Gedicht oder im Spruch. Wenn man so will, ist das Werk eines Autors seine geistige Landkarte. Oder mit Goethes Worten: Die Werke eines Autors sind "Bruchstücke einer großen Konfession". Insofern habe ich mit diesem Text, der das "Bruchstück einer großen Konfession" ist, viel mehr über mich gesagt, als wenn ich einen Lebenslauf geschrieben und eine Liste mit literarischen Vorbildern hinzugefügt hätte.

Zum Abschluss füge ich noch einen etwas längeren Text hinzu, der sich um Sinn und Unsinn des Lebens dreht. Wer mag, kann sich davon zu eigenen Gedanken anregen lassen. Ärgern würde mich dieser Umstand nicht!


Ginge es nach dem, was sinnvoll ist

Hinter Unsinn steckt manchmal bitterer Ernst, den man nur erkennt, wenn man den inneren Zensor ausgeschaltet hat. So habe ich mir einmal in mein Notizheft eingetragen: „Pi mal Pflaume“, wo doch jeder weiß, dass es „Pi mal Daumen“ heißt. Und dahinter steckt Tiefsinn? Nun ja, ginge es nach dem, was sinnvoll ist, müsste ich ebenfalls hinterfragen, warum ich an einem warmen Tag am Schreibtisch sitze, anstatt mit Freunden im Grünen? Aber lebe ich denn? Nein, ich erwecke nur den Anschein: Pi mal Daumen. Und weil ich das ungezwungen treibe, gaukle ich auch nur einen normalen Menschen vor, also einen, der nichts an der Pflaume hat, daher: Pi mal Pflaume. Die Persönlichkeit des Dichters verdeutlicht hinter dem Unsinn Sinn. Ein Dichter, der Unsinn ignoriert, stürzt sich nur ins Unglück.


Zitate von Wolfgang Luley

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