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Rainer Maria Rilke

* 04.12.1875 - † 29.12.1926


Zitate von Rainer Maria Rilke

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Abschied

Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.
Wie weiß ich’s noch: ein dunkles, unverwund’nes,
grausames Etwas, das ein schön verbund’nes
noch einmal zeigt und hinhält und - zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
Das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
Zurückblieb, so als wären’s alle Frauen
Und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
Ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum
Erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
Von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

Schon kehrt der Saft aus jener Allgemeinheit,
Die dunkel in den Wurzeln sich erneut,
Zurück ans Licht und speist die grüne Reinheit,
Die unter Rinden noch die Winde scheut.

Die Innenseite der Natur belebt sich,
Verheimlichend ein neues Freuet euch;
Und eines ganzen Jahres Jugend hebt sich,
Unkenntlich noch, ins starrende Gesträuch.

Des alten Nußbaums rühmliche Gestaltung
Füllt sich mit Zukunft, außen grau und kühl;
Doch junges Buschwerk zittert vor Verhaltung
Unter der kleinen Vögel Vorgefühl.


Darfst das Leben mit Würde ertragen,
nur die Kleinlichen macht es klein;
Bettler können dir Bruder sagen,
und du kannst doch ein König sein.


Kunst heißt, nicht wissen, daß die Welt schon ist, und eine machen.


Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke, Alltage, Ängste, viele kleine Glücke, Verkleidet schon als Kinder, eingemummt, Als Masken mündig, als Gesicht verstummt.


Just ging ein Glück vorüber, als ich schlief, und wie ich träumte, hört ich nicht: es rief.


Liebe ist schwer.

Liebhaben von Mensch zu Mensch,
das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist,
das Äußerste,
die letzte Probe und Prüfung,

die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.


Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit, in der die Welten weite Wege reisen, mir ist: Ich trage ein Stück Ewigkeit
in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit und will hinauf und will mit ihnen kreisen...
Und das ist Seele.


So wie ein Traum scheint’s zu beginnen, Und wie ein Schicksal geht es aus.


Und eine Linde ist mein Lieblingsbaum, und alle Sommer, welche in ihr schweigen, rühren sich wieder in den tausend Zweigen und wachen wieder zwischen Tag und Traum.


Jugend ist nur Erinnerung an einen, der noch nicht kam.