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Rainer Maria Rilke

* 04.12.1875 - † 29.12.1926


Zitate von Rainer Maria Rilke

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Es gibt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere.


Wie das Gestirn

Wie das Gestirn, der Mond, erhaben, voll Anlaß,
plötzlich die Höhn übertritt, die entworfene Nacht
gelassen vollendend: siehe: so steigt mir
rein die Stimme hervor aus Gebirgen des Nichtmehr.
Und die Stellen, erstaunt, an denen du da warst und
fortkamst, schmerzen klarer dir nach.


Lied (Du nur, Du)

Du, der ich’s nicht sage, daß ich bei Nacht
weinend liege,
deren Wesen mich müde macht
wie eine Wiege.
Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht
meinetwillen:
wie, wenn wir diese Pracht
ohne zu stillen
in uns ertrügen?
 
Sieh dir die Liebenden an,
wenn erst das Bekennen begann,
wie bald sie lügen.
 
Du machst mich allein. Dich einzig kann ich vertauschen.
Eine Weile bist du’s, dann wieder ist es das Rauschen,
oder es ist ein Duft ohne Rest.
Ach, in den Armen hab ich sie alle verloren,
du nur, du wirst immer wieder geboren:
weil ich niemals dich anhielt, halt ich dich fest.


Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein.


Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.


O Herr, gib jedem seinen eignen Tod. Das Sterben, das aus jenem Leben geht, darin er Liebe hatte, Sinn und Not.


Maria, du weinst ich weiß. Und da möcht ich weinen Zu deinem Preis. Mit der Stirne auf Steinen weinen.


Ich nannte dich den Nächsten meiner Nächte
und meiner Abende Verschwiegenheit, -
und du bist der, den keiner sich erdächte,
wärst du nicht ausgedacht seit Ewigkeit.


O Herr, gib jedem seinen eignen Tod.
Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not.

Denn wir sind nur die schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat,
das ist die Frucht, um die sich alles dreht.


Die Zeit der andern Auslegung wird anbrechen, und es wird kein Wort auf dem andern bleiben.