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In uns selbst, nicht in der Außenwelt sehen wir die Fülle der Erscheinungen. Die kleinlichen Menschen kennen in ihrer Leere und Enge fast nichts, die weiten Seelen umspannen in sich selbst die ganze Welt. Sie müssen arbeiten, lesen oder reisen, um die ewigen Gesetze zu finden. Sie müssen sich nur in sich selbst versenken und in ihren eigenen Gedanken Umschau halten.
Quelle: "Reflexionen und Maximen" - 1746
Menschen Lobsprüche spenden und damit die Grenzen ihrer Bedeutung abstecken, heißt sie beleidigen: denn nur wenige sind bescheiden genug, ohne Schmerz zu sehen, daß man sie richtig einschätzt.
Es gibt mehr Strenge als Gerechtigkeit.
Hoffnung ist das einzige Gut, das der Überdruss noch achtet.
Quelle: "Reflexionen und Maximen" - 1746
Wir wollen nicht ernstlich das Glück derer, denen wir nur Ratschläge spenden.
Ich verachte die Strenge und halte sie nicht für unbedingt nötig. Waren die Römer streng? Verbannten sie nicht Cicero, weil er die Hinrichtung des Lentulus veranlaßt hatte, der doch des Verrats schuldig erkannt worden war? Und begnadigte der Senat nicht die Mitschuldigen des Catilina? So herrschte die mächtigste Nation der Welt. Und wir, ein kleines, grausames Völkchen, glauben immer verurteilen und strafen zu müssen.
Quelle: "Betrachtungen und Maximen" - 1746
Der Geiz ist die letzte und die unerbittlichste unserer Leidenschaften.
Quelle: "Unterdrückte Maximen. Oeuvres de Vauvenargues" Édition Nouvelle, Furne et Cie, Paris - 1857
Wir vernachlässigen oft die Menschen, über die uns die Natur einen Einfluss verliehen hat. Gerade sie müssten wir an uns fesseln, denn die anderen sind ja doch nur anhänglich aus Eigennutz, schwankend und unverlässlich.
Herrscht Ordnung innerhalb der Menschheit, so ist es ein Beweis, dass Vernunft und Tugend die Oberhand haben.
Der Schlaue ist niemals abweisend.
Trägheit ist die Furcht, sich bloßzustellen, haben die Wissenschaftler die Ehrlichkeit gelehrt.
Will das Schicksal Weise treffen, überrascht es Sie genau dann, wenn Sie sorglos oder ohne Abwehrkraft sind. Der geschickteste Mensch kann es nicht verhindern, daß kleine Fehler ungeheures Unglück nach sich ziehen, und er verliert Ansehen oder Vermögen durch eine kurze Unbedachtsamkeit, wie ein anderer sich das Bein bricht, während er im Zimmer auf und ab geht.
Quelle: "Betrachtungen und Maximen" - 1746
Die Diplomatie bedarf keiner langen Lehrzeit. Ist doch unser ganzes Leben eine ständige Einübung im Ränkespiel und Eigennutz.
Quelle: "Unterdrückte Maximen. Oeuvres de Vauvenargues" Édition Nouvelle, Furne et Cie, Paris - 1857
Wie unwesentlich erscheint doch alles, was Menschen unterscheidet! Was macht schön oder häßlich, gescheit oder dumm? Eine kleine Verschiedenheit in den Organen, etwas mehr oder weniger Galle, und ähnliches. Und doch, dieses Mehr oder Weniger ist für die Menschen von ungeheurer Bedeutung. Wenn sie anders darüber urteilen, sind sie im Irrtum.
Quelle: "Reflexionen und Maximen" - 1746
Wenn uns unsere Freunde Dienste erweisen, so glauben wir, daß sie uns diese wegen ihrer Freundschaft schuldig sind, und denken nicht, daß sie uns ihre Freundschaft nicht schulden.
Quelle: "Réflexions et maximes" - 1796