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Marquis de Vauvenargues

* 06.08.1715 - † 28.05.1747


Zitate von Marquis de Vauvenargues

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Wir sind viel eifriger, die oft eingebildeten Widersprüche eines Schriftstellers aufzufinden, als aus seinen wahren Einsichten oder Trugschlüssen zu lernen.


Es ist leicht, einen Autor zu kritisieren, schwer, ihn richtig zu verstehen.


Eigennutz, nicht Verstand, beflügelt die Unterhaltung. Der Verstand ist nur insofern reizvoll, als er das Spiel der Leidenschaften lenkt, ohne selbst zur triumphierenden Leidenschaft zu werden.


Quelle: "Betrachtungen und Maximen" - 1746


Große Männer sind es zuweilen auch in kleinen Sachen.


Quelle: "Réflexions et maximes" - 1796


Böse Menschen sind meist erstaunt, wenn sie auch in guten Schlauheit antreffen.


Weniges wissen wir wirklich.


Quelle: "Unterdrückte Maximen. Oeuvres de Vauvenargues" Édition Nouvelle, Furne et Cie, Paris - 1857


Manchmal ist ein Lob für die Menschen beleidigend, weil es die Grenzen ihres Wertes bezeichnet.


Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.


Quelle: "Réflexions et maximes" - 1796


Einige knapp gefaßte, an den richtigen Ort gestellte Beispiele geben dem Gedanken mehr Glanz, mehr Gewicht und mehr Ansehen. Viele Beispiele und Einzelheiten hingegen schwächen jede Rede. Zu häufiges und zu langes Abschweifen stört die Einheit der Betrachtung und ermüdet selbst den mitfühlenden Leser, der vom Zentrum des Gegenstandes nicht durch ein Labyrinth von Tatsachen und Beweisen weggelockt werden möchte. Man kann als Schriftsteller gar nicht konzentriert genug sein, nicht schnell genug schließen. Der Leser soll mit einem einzigen Blick die zwingende Schlußfolgerung der Sätze erkennen und ihr zueilen können. Der scharfsinnige, erfahrene Schriftsteller wird sich also vor der Episode hüten und den Dichterlingen die Muße gönnen, alle Blumen zu pflücken, die an ihren Wegen wachsen. Ihre Aufgabe bleibt es, die Menge zu unterhalten, die phantasielos und ohne Geschmack liest, ohne wirklich aufnehmen zu wollen.


Die Kürze unseres Erdenlebens ist eine Gewißheit, die weder unsere Freuden stören noch unseren Kummer lindern kann.


Quelle: "Reflexionen und Maximen" - 1746


Schwachköpfe begreifen Menschen von geistigem Format niemals.


Ich verachte die Strenge und halte sie nicht für unbedingt nötig. Waren die Römer streng? Verbannten sie nicht Cicero, weil er die Hinrichtung des Lentulus veranlaßt hatte, der doch des Verrats schuldig erkannt worden war? Und begnadigte der Senat nicht die Mitschuldigen des Catilina? So herrschte die mächtigste Nation der Welt. Und wir, ein kleines, grausames Völkchen, glauben immer verurteilen und strafen zu müssen.


Quelle: "Betrachtungen und Maximen" - 1746


Geisteskraft oder Gewandtheit haben den ersten Besitz erschaffen, die Ungleichheit der Lebensbedingungen ging aus der Ungleichheit von Geist und Mut hervor.


Man erzieht die Kinder zur Folgsamkeit und zur Furcht, geizige, stolze oder ängstliche Väter machen aus ihnen sparsame, hochmütige oder unterwürfige Menschen, ja, man verleitet Kinder sogar zum Nachplappern. Niemandem aber kommt es in den Sinn, sie unabhängig, originell und selbstständig zu machen.


Quelle: "Reflexionen und Maximen" - 1746


Unser Überdruß ist nicht Mangel oder Unzulänglichkeit der Außenwelt, wie wir so gerne glauben möchten, er ist vielmehr die eigene Erschöpfung und offenbart unsere Schwäche.


Quelle: "Betrachtungen und Maximen" - 1746