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Wolf Biermann

* 15.11.1936


Wolf Biermann, eigentlich Karl-Wolf Biermann, wurde am 15. November 1936 in Hamburg geboren. Der Vater, der auf einer Hamburger Werft arbeitete, war nach der Machtbernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933, im kommunistischen Widerstand engagiert und wurde 1943 im KZ Auschwitz ermordet.

Nach dem II. Weltkrieg trat Wolf Biermann den "Jungen Pionieren" bei und war 1950 Leiter einer Pionierbrigade beim Weltjugendtreffen in Ostberlin. Als eines der wenigen Arbeiterkinder besuchte er bis 1953 das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Hamburg.

1953 siedelt Wolf Biermann in die DDR ber, hier besucht er ein Internat bei Schwerin. 1955 beginnt Wolf Biermann ein Studium der politischen konomie an der Humboldt-Universitt Berlin. Nach dem Abbruch des Studiums 1957 wird Biermann Regieassistent am Berliner Ensemble.

Von 1959 studiert Biermann Philosophie und Mathematik an der Humboldt-Universitt in Berlin. Im darauffolgendem Jahr macht Biermann die Bekanntschaft mit Hanns Eisler, der ihn untersttzt und frdert. Biermann beginnt in dieser Zeit Gedichte zu schreiben und Lieder zu komponieren.

Biermann war 1961 mageblich an der Grndung und dem Aufbau des "Berliner Arbeiter- und Studententheaters" (b.a.t.) in einem alten Hinterhofkino beteiligt. Biermanns Inszenierung des Stckes "Berliner Brautgang" ber den Mauerbau wird nicht zur Auffhrung freigegeben und bereits vor der Premiere 1963 wird das Theater wieder geschlossen und ein erstes Auftrittsverbot fr Biermann dauerte bis Juni 1963.

1962 werden in DDR-Zeitungen und in der Anthologie "Liebesgedichte" und 1964 "Sonnenpferde und Astronauten" gedruckt. Bei einem Lyrikabend in der Deutschen Akademie der Knste 1962 tritt Biermann erstmals ffentlich auf.

Nach einer zweijhrigen Zeit als Kandidat wird Wolf Biermann 1963 die Aufnahme in die SED verweigert. Ebenfalls in diesem Jahr macht Wolf Biermann die Bekanntschaft mit Robert Havemann, mit dem ihn seitdem eine Freundschaft verbindet.

1964 war Wolf Biermann Gaststar des Ostberliner Kabaretts "Die Distel" und auf Einladung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) unternahm er seine erste Gastspielreise durch die Bundesrepublik Deutschland. In Westberlin trat Biermann gemeinsam mit Wolfgang Neuss in dessen "Asyl" auf.

Nachdem 1965 in einem West-Berliner Verlag seine Lyriksammlung "Die Drahtharfe" erscheint, erhlt Biermann Auftritts-, Publikations- und Ausreiseverbot durch die DDR-Behrden. Damit war ein vorlufiger Schlussstrich unter eine Kampagne gesetzt, die schon vor dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 ihren Anfang genommen hatte. Man warf Biermann unter anderem "Klassenverrat" und "Obsznitt" vor.

In der Bundesrepublik erscheint 1969 die erste eigene Langspielplatte Biermanns "Chausseestrae 131". Das dafr verliehene Preisgeld des Fontane-Preises der Stadt West-Berlin spendet Biermann dem Anwalt der Auerparlamentarischen Opposition (APO), Horst Mahler.

Im September 1976 trat Wolf Biermann in der evangelischen Kirchengemeinde in Prenzlau, erstmals nach seinem elfjhrigen Berufsverbot, wieder in der DDR auf. Im November 1976 erhielt Biermann ein Visum fr eine Tournee durch die Bundesrepublik, die am 13. November in Kln begann. Am 16. November beschloss das Politbro der DDR die Ausbrgerung Wolf Biermanns aus der DDR.

Am 17. November berichtete die Ostberliner Nachrichtenagentur ADN, dass die zustndigen Behrden Biermann das Recht auf einen weiteren Aufenthalt in der DDR entzogen htten. In der Begrndung hie es, unter Hinweis auf Biermanns Auftritt in Kln, er htte in einem kapitalistischen Land ein Programm gestaltet, das sich ganz bewusst und gezielt gegen die DDR und gegen den Sozialismus gerichtet habe. In einer Petition von dreizehn fhrenden Intellektuellen der DDR am 17. November wird gegen die Ausbrgerung protestiert. Biermanns Ausbrgerung lste eine Emigrationswelle von Schriftstellern und Knstlern aus der DDR aus, einige, unter ihnen auch der spter freigekaufte Autor Jrgen Fuchs, wurden inhaftiert.

Im Mrz 1977 kamen auch Biermanns Frau und sein Sohn Benjamin in die Bundesrepublik. Im Westen setzte Biermann seine Knstlerkarriere fort und unternimmt noch im selben Jahr erste Tourneen durch westeuropische Lnder. In seinen Liedern rechnet er einerseits mit der DDR ab und bekundet andererseits immer wieder seine sozialistische Einstellung.

1980 wird Biermann der Deutsche Kleinkunstpreis fr Chanson verliehen und 1982 besucht Biermann seinen todkranken Freund Robert Havemann in Ost-Berlin.

Nach dem Fall der Berliner Mauer in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989, reist Biermann auf Einladung von DDR-Liedermachern Anfang Dezember in die DDR, mehrmalige Versuche im November waren noch gescheitert, da er auf die Begleitung des Autors Jrgen Fuchs und des abgeschobenen Friedenskmpfers Roland Jahn bestanden hatte. Im Dezember hlt Biermann nach 25 Jahren sein erstes Konzert in der Noch-DDR in Leipzig und Berlin ab. Er wird "als Mensch gewordener Mythos" und als Legende bezeichnet und als solcher vor allem von den lteren DDR-Brgern empfangen.

In den folgenden Monaten (1990/1991) mischte sich Biermann mit Aufstzen und Reden in die Tagespolitik ein und beteiligt sich unter anderem an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums fr Staatssicherheit, als Schiedsrichter im Literaturstreit und Befrworter der US-Intervention am Golf.

Eine aufsehenerregende Diskussion ber den Einfluss der Stasi auf die Intellektuellen in der DDR, lste er im Oktober 1991 mit seiner Dankesrede zur Verleihung des Bchner-Preises aus. Biermann attackiert die Oppositionsgruppen der DDR sie seien "von Stasi-Metastasen zerfressen" und den Lyriker Sascha Anderson, der in der DDR als fhrender regimekritischer Literat galt, bezeichnete er als einen "Stasi-Spitzel". Nach der ersten Einsicht der eigenen Stasi-Akten in der Berliner Gauck-Behrde am 15. Januar 1992 erklrte Biermann seine ffentliche Auseinandersetzung mit der Stasi fr beendet und verzichtete darauf, weitere Spitzel zu enttarnen.

Von 1993 bis 1995 war Biermann zwei Semester lang als Heinrich - Heine - Gastprofessor an der Dsseldorfer Universitt. Im November 1994 griff Biermann ffentlich den PDS-Politiker Gregor Gysi und den fr die PDS am 16. Oktober 1994 in den Bundestag gewhlten Schriftsteller Stefan Heym an. Ein weiterer Skandal kam im Dezember 1994 ins rollen, als der sterreichische Bildhauer Hrdlicka im "Neuen Deutschland" seinen Brief an den Schriftsteller und Snger Biermann verffentlichte, in dem er ihn wegen seiner Kritik an den PDS-Politikern als "Arschkriecher" und "Trottel" bezeichnete.

Gute Kritiken erhielt Biermann 1994 vom Feuilleton fr seine auf Tourneen vorgestellte Interpretation des "Grossen Gesangs vom ausgerotteten jdischen Volk" von Jizchak Katzenelson.

Auf Vorschlag von Rolf Hochhuth war Biermann im Januar 1996 als Nachfolger des verstorbenen Dramatikers und Theaterleiters Heiner Mller am "Berliner Ensemble" im Gesprch. Im Juni 1996 zhlte Biermann zu den Mitbegrndern des "Brgerbro- e. V.", das jenen helfen will, die durch Willkrakte der DDR fortdauernd geschdigt sind. Im September 1996 verffentlichte Biermann die CD "Ses Leben - saures Leben" mit siebzehn neuen Liedern.

Am 17. Mai 1998 erhielt Wolf Biermann den Deutschen Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung und 2006 den Joachim-Ringelnatz-Preis fr Lyrik. Das Groe Bundesverdienstkreuz erhielt Biermann anlsslich seines 70. Geburtstages im Berliner Schloss Bellevue durch Bundesprsident Horst Khler.

Im Jahr 2006 trennte sich Biermann nach ber 30-jhriger Zusammenarbeit von seinem Verlag Kiepenheuer & Witsch, um zu Hoffmann und Campe zu wechseln. Ausschlaggebend war das Buch Lichtjahre - Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute von Volker Weidermann. Weidermann hatte in seinem Buch irrtmlich behauptet, Biermann sei Mitglied der KPD gewesen und habe sich erst mit dem Zusammenbruch der DDR vom Kommunismus abgewandt. Die drei Seiten lange Buch-Passage ber Biermann schloss mit der Erwhnung seines 1994 verffentlichten Werkes Groer Gesang des Jizchak Katzenelson und der Bemerkung, seitdem sei es "sehr, sehr still um Wolf Biermann" geworden.


Zitate von Wolf Biermann


Der Autor hat einer Verffentlichung in unserem Archiv nicht bzw. noch nicht zugestimmt. Die 6 Aphorismen dieses Autoren drfen daher nicht verffentlicht werden!