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Friedrich von Bodelschwingh

* 06.03.1831 - † 02.04.1910


Friedrich von Bodelschwingh wurde am 6. Mrz 1831, als sechstes Kind des preuischen Landrats Ernst von Bodelschwingh und dessen Frau Charlotte, in Haus Mark bei Tecklenburg geboren. Die Familie entstammt einem alten westflischen Adelsgeschlecht. Bodelschwingh verlebte seine Kindheit und Schulzeit in Kln, Trier, Koblenz, Berlin und auf dem vterlichen Gut Velmede bei Unna und war Spielgefhrte des preuischen Kronprinzen und spteren Kaisers Friedrich III. (1831-1888). Bodelschwingh wollte das Bergfach studieren, fand aber keinen Gefallen daran und beschloss daraufhin Landwirt zu werden. Im Sommer 1849 studierte Bodelschwingh in Berlin Botanik und im September 1849 begann er eine landwirtschaftliche Lehre auf der Domne Kienitz im Oderbruch.

Im April 1851 trat er als Einjhrig-Freiwilliger beim Kaiser-Franz-Grenadierregiment in Berlin ein, zog sich aber bei einer Felddienstbung eine Lungen- und Rippenfellentzndung zu, die ihn fr dauernd dienstuntauglich machte.

Im April 1852 wurde Bodelschwingh in Pommern auf dem Gut Gramenz bei Neustettin landwirtschaftlicher Inspektor. Den Kindern die beim Reinigen der groen Zuckerrbenfelder mithalfen, gab Bodelschwingh auer ihrem Lohn kleine Traktate, die entweder aus Stuttgart oder Straburg oder auch aus Basel stammten. An einem Sonntagnachmittag im Sommer 1854 las Bodelschwingh eines dieser Traktate, von denen er schon viele Tausende verteilt, doch selbst noch keines gelesen hatte, und erkannte durch die Geschichte die er dort las, seine Berufung Pastor zu werden.

Bodelschwingh verlie im Oktober 1854 Gramenz und ging nach Basel um bei Friedrich Joseph Josenhans in das Missionsseminar aufgenommen zu werden, was dieser jedoch nicht tat sondern ihm den Rat gab, sich zunchst als Student der Theologie an der Universitt immatrikulieren zu lassen, um seinen pltzlichen Entschluss berdenken zu knnen. Seine theologische Prgung erhielt Bodelschwingh durch den Biblizisten Karl August Auberlen. Er nahm an den Missions- und Bibelstunden und den sonntglichen Familienabenden im Missionshaus teil.

Im Sommer 1856 studierte Bodelschwingh in Erlangen und die beiden letzten Semester in Berlin. Whrend seines Studiums macht Bodelschwingh die Bekanntschaft mit Christian Heinrich Zeller (1779-1860), Friedrich Spittler (1782-1867), Wilhelm Lhe (1808-1872) und Johann Christoph Blumhardt (1805-1880). Auf der Barmer Festwoche im Herbst 1857 lernte Bodelschwingh Pastor Louis Meyer aus Paris kennen, der ihm von der "Evangelischen Mission unter den Deutschen in Paris" erzhlte und ihn bat, ihm nach seinem Examen zunchst fr ein halbes Jahr zu helfen, wozu sich Bodelschwingh bereiterklrte. Im April 1858 bestand Bodelschwingh in Mnster die erste theologische Prfung und wurde Hilfsprediger in Paris.

Am 18. April 1861 heiratete Bodelschwingh seine 26jhrige Cousine Ida von Bodelschwingh, die Tochter des Finanzministers a. D. Karl von Bodelschwingh, im Haus Heide bei Kamen. Mit Rcksicht auf den Gesundheitszustand seiner Frau folgt Bodelschwingh Ende 1863 dem Ruf als Pfarrer nach Dellwig bei Unna und trat im Mai 1864 das neue Amt an.

In den Jahren 1866 whrend des Preuisch-sterreichischen Krieges und 1870 whrend des Deutsch-Franzsischen Krieges zog Bodelschwingh als Feldprediger auf die Schlachtfelder am Main und vor Metz.

In Dellwig verlebte Bodelschwingh eine glckliche Zeit mit seiner Gattin, die ihm insgesamt acht Kinder gebar, doch in den Tagen vom 12. bis 25. Januar 1869 starben vier Kinder an Keuchhusten und Lungenentzndung.

Anfang 1872 bernahm er die Leitung der 1867 bei Bielefeld gegrndeten "Rheinisch-westflischen Anstalt fr Epilepsie", die aus dem kleinen Bauernhaus "Ebenezer" und dem eben erst begonnenen Neubau des Hauses "Bethel" und des 1869 in dem alten Marienstift an der Neustdter Kirche in Bielefeld erffneten Diakonissenhauses. Durch den Neubau des Diakonissenhauses "Sarepta" verband Bodelschwingh rumlich die beiden Anstalten und baute sie im Lauf der Jahre zu der grten Anstalt der Inneren Mission, zu einer "Stadt der Barmherzigkeit" aus.

Um den Kranken vor allem eine neue Heimat zu schaffen und sie in eine Lebensgemeinschaft einzugliedern, erwarb Bodelschwingh einen Bauernhof nach dem andern oder legte diesen an, damit die Kranken in der Landwirtschaft arbeiten konnten. Um den Kranken auch die Gelegenheit zu geben, ein Handwerk zu erlernen und auszuben, schuf er Werksttten. Auch fr die Frauen, die man ebenfalls nach Altersstufen, Krankheitsgraden und Berufsarten einteilte und entsprechend unterbrachte, gab es mancherlei Verwendung, z. B. in Nh- und Flickstuben, in der Waschanstalt und Landwirtschaft oder auch zum Stricken und Kartoffelschlen.

Da die Rume in der Kapelle von "Sarepta" nicht mehr ausreichten, baute Bodelschwingh nur mit Spenden die Zionskirche und am 16. Juli 1883 legte Kronprinz Friedrich Wilhelm den Grundstein der Kirche und Prinz Albrecht von Preuen nahm an ihrer Einweihung am 26. November 1884 teil. Whrend deren Nachfeier berbrachte der Generalsuperintendent Gustav Nebe im Auftrag der Theologischen Fakultt Halle Bodelschwingh die Ernennungsurkunde zum Ehrendoktor. Am 4. Dezember 1894 starb Bodelschwinghs Ehefrau Ida.

Bodelschwingh nahm sich nicht nur der psychisch Kranken, sondern auch den "Brdern von der Landstrae" an und grndete 1882 in Wilhelmsdorf (Senne) die erste Arbeiterkolonie, 1899 als deren Filiale "Freistatt" im hannoverschen Wietingsmoor und 1909, eine Wegstunde davon entfernt, "Heimstatt". 1885 rief Bodelschwingh den "Verein Arbeiterheim" ins Leben und warb fr ihn in Wort und Schrift.

Im Sommer 1897 verlebte Bodelschwingh mit Adolf Schlatter einige Ferientage in Braunlage (Harz) und schloss mit ihm eine Arbeitsgemeinschaft, deren erste Frucht die "Theologische Woche" in Bethel war, die im August 1898 zum ersten Mal abgehalten wurde. 1890 grndete Bodelschwingh das Kandidatenkonvikt, indem die Kandidaten Vormittags auf den verschiedenen Stationen der Anstalt arbeiteten und der Nachmittag ihrer besonderen Ausbildung auf den knftigen Beruf vorbehalten blieb.

Als Abgeordneter des preuischen Landtags von 1903 bis 1908, setzte sich Bodelschwingh fr die Arbeiter und seine "Brder von der Landstrae" ein und kmpfte fr die gesetzliche Regelung der Wandererfrsorge und erreichte nach langem Bemhen, dass das Wanderarbeitsstttengesetz angenommen wurde.

Im Herbst 1905, verwirklicht Bodelschwingh seinen, bereits 1895 in einem Aufsatz dargelegten, Plan einer freien theologische Akademie und erffnete mit elf Studenten und den Dozenten Samuel Jger und Walter Khler die "Theologische Schule", deren Aufgabe es sein sollte, in das Bibelstudium einzufhren und durch methodische Anleitung zu wissenschaftlicher Arbeit einen gesunden bergang vom Gymnasium zur Universitt zu schaffen.

Am 1. Oktober 1906 wurde, die bereits 1886 in Berlin gegrndete "Deutsch-Ostafrikanischen Missionsgesellschaft", in der Bodelschwingh seit 1890 im Vorstand mitarbeitete, von Berlin nach Bethel verlegt. Bodelschwingh hatte auf Bitten der Missionsgesellschaft Diakonen und Diakonissen, aber auch Theologen aus dem Kandidatenkonvikt, nach Ostafrika gesandt. Zu den Theologen aus dem Kandidatenkonvikt gehrten auch Wohlrab und Ernst Johanssen, die bereits im Frhjahr 1891 ausgezogen waren und die Pioniere der Mission in dem Bergland Usambara wurden.

Friedrich von Bodelschwingh starb am 2. April 1910 in Bethel bei Bielefeld und sein gleichnamiger Sohn bernahm die Leitung der nunmehr "Bodelschwinghschen Anstalten".



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