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Stefan Fleischer

* 11.06.1938


Aufgewachsen bin ich in Kreuzlingen am Bodensee in einer ganz normalen, katholischen Familie. Mein Vater sang im Kirchenchor. Meine Mutter liebte ganz besonders die Kapelle von Bernrain, die am alten Pilgerweg nach Santiago de Compostela liegt und an die Geschichte eines Knaben erinnert, der beim Holzsammeln einem Wegkreuz eine Tauperle von der Nase wischte indem er sagte: "Herrgott, lass dich einmal schnäuzen!" Er soll deswegen mit der Hand am Kreuz hängen geblieben sein, bis eine Prozession aus Konstanz ihn erlöste.

Diese Kapelle wird von den Redemptoristen betreut. Bei ihnen wurde ich Ministrant. Sie machten mir Mut zu versuchen, Priester und Missionar zu werden. Bei ihnen trat ich 1951 in Freiburg i.Ü. ins Internat ein. Ich lernte ziemlich leicht. Schon damals schrieb ich gerne. Nur war ich meist zu faul meine Texte auszufeilen. Meine Aufsätze entstanden in einem Guss, und waren deshalb manchmal gut, manchmal weniger. Auch einige Gedichte entstanden in dieser Zeit, freier Rhythmus, freier Reim, einfach ein wenig anders als andere. Sonst aber war ich ein ziemlich unauffälliger Zögling, nicht sehr fromm, eher gehorsam als brav.

Etwa ein Jahr vor der Matur wurde mir klar, dass das Priestertum nicht mein Weg, nicht meine Berufung war. Da aber dieses Internat nur für Priesteramtskandidaten bestimmt war, und meine Eltern mir kein anderes finanzieren konnten, entschied ich mich im Sommer 1959 für eine Zwischenzeit als Liftboy in einem Hotel in Luzern. Dann versuchte ich, meine Matur mittels Abendkurse in Basel doch noch zu schaffen, was glücklich misslang. In dieser Zeit arbeitete ich im Bahnhofbüro einer Speditionsfirma. 1962 kehrte ich nach Kreuzlingen zurück, wo ich einen Posten im Büro für Arbeitsvorbereitung und Termin in einem Industriebetrieb fand. Daneben träumte ich als kleiner Korrespondent von einer Karriere im Journalismus. Doch dann gründete ich 1968 meine Familie. Ihr entsprossen vier, heute längst erwachsene Kinder.

Es war die Zeit, als die ersten Laien zu Lektoren und Kommunionhelfern berufen wurden. Mein Pfarrer fragte mich an, und so gehörte ich zu den ersten, die einen entsprechenden Kurs, der noch vom Bischofsvikar persönlich gegeben wurde, besuchen durften .

Beruflich wechselte ich 1969 in den Bankensektor und arbeitet im Büro für Zahlungsverkehr. Als ich merkte, dass meine Französischkenntnisse aus der Internatszeit zu schwinden begannen, suchte ich mir 1973 eine Anstellung auf der Sprachgrenze und fand eine Stelle in Biel in der Sparkassenabteilung einer Grossbank. Dort erlebte ich den beruflichen Aufstieg über den Kassier zum internen Revisor, zum Organisator und schlussendlich zum Bereichsleiter Dienste. Als dann die Niederlassung zur Geschäftsstelle degradiert wurde, wechselte ich 1993 in die Organisationsabteilung der Generaldirektion. 1998 wurde ich im Rahmen von Restrukturierungen vorzeitig pensioniert.

2010 war dann die Alzheimererkrankung meiner Frau so weit fortgeschritten, dass uns nichts anderes blieb, als sie in einem Heim für Demenzbetroffene unterzubringen. Ich danke Gott, dass wir ein kleines, sehr familiäres Heim fanden, wo sie sich, den Umständen entsprechend, einigermassen wohl fühlt. Allein (die Kinder sind längst ausgezogen) wurde mir unser Haus immer mehr zur Last. Heute lebe ich in Grenchen in einer Siedlung 60plus.

Auch in meiner ersten Pfarrei in Biel blieb ich Lektor. Erst nach dem Umzug in unser Eigenheim, der einen Pfarreiwechsel mit sich brachte, gab ich diese Funktion auf, nachdem die Laientheologin in einer Predigt behauptete, Christentum sei, wo man den Militärdienst verweigere. Das war einer der ersten Anstösse, mich intensiver mit meinem Glauben auseinander zu setzen. Viele andere folgten, von ganz moderner wie auch von sehr konservativer Seite. Einer, der sich schlussendlich als entscheidend herausstellen sollte, war, als mich meine Frau überredete, dem lebendigen Rosenkranz beizutreten. Dieser verpflichtet den Einzelnen, jeden Tag einen Zehner zu beten, der ihm für das ganze Leben zugelost wird. Mein Geheimnis wurde "Jesus, den du, o Jungfrau zu Elisabeth getragen hast". Inzwischen glaube ich meinen Weg gefunden zu haben, einen Weg an der Hand meiner Mutter, der heiligen Kirche, aufgeschlossen gegenüber Neuerungen, die vom Lehramt selbst herrühren, skeptisch gegenüber privaten Meinungen und Experimenten, von welcher Seite sie auch kommen (nur noch viel zu wenig skeptisch, gegenüber meinen eigenen Ansichten).

Bei der Suche nach meinem Weg stiess ich auch auf die „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen. Sie vermittelte mir zunächst einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits sprachen mich viele dieser Gedanken sehr an, andererseits stiess ich mich an der Sprache dieser mittelalterlichen Spiritualität. Schlussendlich bildete ich mir ein, eine eigene, moderne Nachfolge Christi schreiben zu können. Heute weiss ich, dass das unmöglich ist. Heute gehört Thomas von Kempen zu jenen Büchern, die ich regelmässig für meine geistliche Lesung benutze. Und aus dem Versuch, dieses Standardwerk der katholischen Spiritualität für heute neu schreiben zu wollen, wurde mehr und mehr das Bemühen, schlicht und einfach eine eigene Spiritualität zu entwickeln und diese auszuformulieren, um sie selber besser zu verstehen, aber auch besser umsetzen zu können. Ein Priester, den ich bat, mich auf mögliche theologische Fehler aufmerksam zu machen, ermunterte mich 2006, das Werk zu publizieren. Wenn ich es heute in der Hand halte, dann weiss ich, dass diese Arbeit wohl mir selber am meisten geschenkt hat und immer noch schenkt. Dass es zum Teil sehr positive Reaktionen auslöst, freut mich natürlich sehr. Wenn es auch anderen auf ihrem ganz persönlichen Weg zur Heiligkeit hilfreich sein kann, dann darf ich sicher glauben, dass das nicht allein mein Verdienst sein kann, sondern dass auch unser himmlischer Vater in seiner weisen Pädagogik die Hand im Spiel hat. Dafür will ich versuchen, sehr dankbar zu sein.

Die grosse Enttäuschung liess nicht allzu lange auf sich warten. „Mein“ Verlag musste aus persönlichen Gründen aufgeben werden. 2011 entschloss ich mich, das Werk im BoD-Verlag heraus zu geben.

2008 war der Gedanke zu einem weiteren Werk gereift. Im Verlauf vieler Diskussionen mit Leuten verschiedenster Spiritualitäten und Weltanschauungen, nicht zuletzt in Internetforen, waren einige Aphorismen entstanden. Es reizte mich, diese zu veröffentlichen. Dabei stiess ich auf die Möglichkeit des Book on demand. Das war für mich die Herausforderung, einmal selber Herausgeber zu spielen. Nun ist auch dieses Büchlein, "Gott ist katholisch Er ist der Allumfassende" auf dem Markt, ohne grosse Chancen allerdings, aber als eine weitere schöne und reiche Erfahrung für mich. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich, wie ich es auch erwartet hatte. Sie reichen von „begeistert“ über „teils-teils“ bis zu „ablehnend“.

2011 folgte dann unter dem Titel "Gottes Kraft und Gottes Weisheit" eine kleine Kreuzesmystik. Anstoss dazu war das Mosaik hinter dem Alter der Krypta der Kirche St. Maria in Biel, das auch als Titelbild dient. Die Bemerkung eines Geistlichen, dieses Bild sei reiner Kitsch, und eine Viereinigkeit gebe es nicht, reizten mich mit der Kreuzesfrage auseinander zu setzen. Auch ein solches Werk ist natürlich kaum verkäuflich, besonders wenn die Mittel für eine breitgestreute Werbung nicht vorhanden sind.

Anfangs der Fastenzeit 2013 fragte mich meine Tochter, weshalb ich mit meinen Aphorismen nicht einen Twitter mache. Gesagt, getan. Alle zwei bis drei Tage erschein ein Spruch auf" Papis_aphos". Am Ende dieser Zeit reifte dann der Gedanke, diese zu ergänzen und als Tagessprüche zur Fastenzeit heraus zu geben. "Getwitter zur Fastenzeit" ist das Resultat. Es dürfte auf dem Markt chancenlos bleiben. Für meine Lieben existiert eine limitierte Sonderausgabe mit Hardcover.

Die Freude am Schreiben und an den Aphorismen ist mir geblieben. Ob nochmals etwas von mir erscheinen wird, ist allerdings sehr unsicher. Also sage ich einfach: „So Gott will!“ und versuche dankbar zu sein für all Seine Gaben, wie sie auch aussehen werden.


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