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Wau Holland

* 20.12.1951 - † 29.07.2001


Am 20. Dezember 1951 wurde in Kassel Wau Holland alias Herwart Holland-Moritz geboren. Dort verbrachte er die ersten zehn Jahre seines Lebens und besuchte den Grundschulzweig der Fasanenhofschule im Norden Kassels. Aus dieser Zeit gibt es leider nicht mehr zu berichten, auch Holland selber hat nach eigenen Angaben kaum etwas aus der Zeit in Kassel mitgenommen "An seine Heimatstadt Kassel ("Die größte Kleinstadt Deutschlands"(Wau Holland)) hat er nur wenige Erinnerungen. Fasanenhofschule, Fallobst sammeln, Uhrenturm-Besichtigung - mehr fällt ihm nicht mehr ein".

Im Jahr 1961 ist die Familie Holland nach Marburg umgezogen, was für den jungen Herwart ein positives Erlebnis war, denn nach eigenen Angaben war er dort wesentlich glücklicher. Er besuchte dort ein humanistisches Gymnasium, das er erfolgreich mit dem Abitur abschloss. Während seiner Zeit in Marburg trat Holland den Pfadfindern bei und lernte "was in der Gesellschaft wichtig ist" (Wau Holland).

Nach seiner Schulbildung wurde er zum Kriegs-Dienst eingezogen, er versuchte zwar diesen zu verweigern, aber zu seinem Missfallen, hatten alle seine Versuche einer Verweigerung nicht geholfen. So musste er gegen sein Gewissen den Dienst ableisten, was ihn auch später noch immer mal wieder beschäftigte "so habe ich es zumindest verstanden, als der westdeutsche Staat bei mir mehrfach nach meinem "Gewissen" suchte und mich damals zur Wehr-Pflicht zwang, weil mein "Gewissen" mehrfach nicht als "Gewissen" im Sinne der BRD-Regelungen angesehen wurde" http://www.fitug.de/debate/9903/msg00549.html.

Als er seine Wehr-Pflicht absolviert hatte, nahm Holland in den 70'igern das Studium an der Universität Marburg auf. Er studierte dort Informatik, Mathematik, Politik und Elektrotechnik für ein paar Semester und verließ dann die Universität, allerdings ohne in einem der Fächer einen Abschluss zu erlangen.

Danach verdingt sich Holland in dem er bei einem Radio- und Fernsehhändler arbeitete. Die Begeisterung für elektronische Medien verdankte er einem Aufsatz von Magnus Enzensberger ("Bausteine zu einer neuen Theorie der Medien"). Diesem Faible folgte dann 1977 sein erstes selbstgeschriebenes Programm.

Bevor Holland 1981 nach Berlin ging um eine Kolumne für die taz zu schreiben, war er noch kurzzeitig in Hamburg als Computerexperte beschäftigt.

Durch durchwegs positiven Reaktionen der Leserschaft, die ihn wohl mit Leserbriefen überschwemmten, schaltete er eine Kleinanzeige in der er zu einem Treffen aufrief. Die Computerfreaks und Hacker sollte die Möglichkeit gegeben werden sich zu organisieren und auszutauschen. 19.09.1981 fanden sich also in den Redaktionsräumen der TAZ einige Computerfreaks zusammen und gründeten den Chaos Computer Club, als "eine galaktische Vereinigung ohne feste Strukturen". Diesem Treffen folgte auch die Ankündigung eines Fachblattes für "Hacker", der Datenschleuder. Nachdem in 30 Tagen über 70 Bestellungen eingingen, waren die frischgebackenen Clubgmitglieder fast dazu verpflichet Ihrem Versprechen nachzukommen. Die Datenschleuder erscheint immer noch und aktuell liegt Nummer 81 in den Händen der Clubmitglieder.

Ein Ereignis, das die IT-Landschaft in Deutschland prägen sollte, war der BTX-Hack von 1984. Der CCC war Anbieter im BTX-System, und dessen größter Kritiker. Das System hätte viele Lücken und Schwächen, auf die der CCC zwar immer wieder hinwies, aber bei der Bundespost nur auf taube Ohren, Unverständnis und Arroganz stieß. Dies sollte sich im November 1984 ändern als Wau Holland und Steffen Wernery einen Fehler schwerwiegenden Fehler im BTX-System entdeckten. Es war möglich einen Überlauf durch BTX-Seiten zu erzeugen, die den maximal spezifierten Platz von 1926 Bytes beanspruchten. Dieser Überlauf hatte die Folde, dass plötzlich fremde Daten, und zwar BTX-System-Daten, auf dem Bildschirm des Terminals erschienen. Beim Betrachten dieser Daten, fiel ein Zahlenmuster auf. Es war die BTX-Anschlusskennung einer hamburger Sparkassenfiliale. Daraufhin erstellten die beiden Hacker, ein Spendenseite für den CCC. Beim jedem Aufruf der Seite wurden 9,97 DM an den CCC gespendet (Anm: 997 ist ein Primzahl). Durch einen kleinen Hardware-Hack, eine Relaissteuerung für die Spendentaste des BTX-Terminals, konnten innerhalb einer Nacht 134 000 Mark "erbeutet" werden.

Holland und Werney wandten sich an den Datenschutzbeauftragten, die Medien und natürlich an die betroffene Sparkasse. Der Fall ging durch alle Medien und verhalf dem CCC und so auch Holland zu internationaler Bekannheit. Die Hackerethik hatte ihre Feuertaufe in Deutschland bestanden.

Hacker aus dem Umfeld des CCC knackten 1987 das Nasa-Forschungsnetzwerk SPAN. Nach der Bekanntgabe durch Wau Holland und Steffen Wernery, folgten Hausdurchsungen in den Räumen des CCC und der Wohnungen der beiden Pressesprecher des CCC. Grund waren zwei sich im Umlauf befindende Anzeigen gegen Unbekannt des schweizer Kernforschungsinstituts CERN und des französischen Elektrokonzerns Phillips. Zahlreiche wichtige Dokumente wurden beschlagnamt. Für Holland wurde diese Zeit sehr schwierig. Der Zusammenprall mit der Staatsgewalt, und die versuchte Kriminalissierung des Clubs machten im zu schaffen. Ein Tiefpunkt wurde erreicht als der langjährige Mitstreiter Wernery in Frankreich verhaftet, und 4 Monate in Untersuchungshaft sass. Wau Holland bezeichnet diesen Zeitraum, als den schwierigsten seines ganzen Lebens.

In den Jahren von 1988 bis 1990 war Wau Holland bei der Softwarefirma brainON! beschäftigt, die ein Jahr zuvor von einem Mitglied des Chaos Computer Clubs gegründet wurde. Ihr Hauptziel war zunächst die Implementierung von Verschlüsselungsverfahren, um den Umgang mit Computern und Daten sicherer zu machen, ein Gebiet, das für Holland natürlich von großem Interesse war.

Die folgenden Jahre arbeitete Holland als Berater für unterschiedliche Firmen und Institutionen, nebenbei hielt er Vorträge auf verschiedenen Veranstaltungen. Ende der Neunziger Jahre begann er damit Jugendliche in den Umgang mit Computern einzuführen, Er betreute in dieser Zeit zunächst einen Computerraum in einem Jugendzentrum in Jena, bis er dann schließlich Ende 2000 ein "offenes" Haus in Berlin gründete. Dort war es ebenfalls sein Ziel sich um den Nachwuchs zu kümmern und ihn in die Thematik des "Hackens" einzuführen. Am 29. Mai 2001 erlitt Holland einen Schlaganfall und viel ins Koma. Sein Zustand besserte sich in den folgenden Wochen nicht und am 29. Juli 2001 starb Herwart Holland-Moritz alias Wau Holland.

Quelle: http://planatscher.net/wau/wau.html


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