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Václav Havel

* 05.10.1936 - † 18.12.2011


Václav Havel wurde am 5. Oktober 1936 in Prag geboren. In den sechziger Jahren machte er sich mit Stücken wie "Zahradní slavnost" (1963; Das Gartenfest) und "Vyrozumení" (1965; Die Benachrichtigung), in denen er Elemente des absurden Theaters Ionescos aufnahm, als Theaterschriftsteller einen Namen. In den folgenden Jahren folgten weitere Stücke wie zum Beispiel "Erschwerte Möglichkeiten der Konzentration" (1968; deutsch 1968), "Die Vernissage" (1975; deutsch 1977) sowie "Fernverhör" (Gespräch; deutsch 1987).

1968 war Havel als Vorsitzender des Clubs der unabhängigen Schriftsteller in der Reformbewegung des Prager Frühlings aktiv und übte scharfe Kritik an der Invasion der Warschauer-Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei zur Niederschlagung des Prager Frühlings. Daraufhin erhielt Václav Havel Publikations- und Aufführungsverbot und schlug sich als Hilfsarbeiter in einer Brauerei durch, setzte sich aber trotz vielfältiger Schikanen weiterhin für die Wahrung der Menschenrechte ein.

Ab 1977 erschienen seine Werke im westlichen Ausland, so zum Beispiel die Stücke "Protest" (1978), "Largo Desolato" (1985), "Die Versuchung" (1986) und "Die Sanierung" (1989) sowie seine Betrachtungen aus dem Gefängnis "Briefe an Olga" (1984).

Václav Havel war 1977 Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung Charta 77, und in den folgenden zehn Jahren wurde er mehrfach verhaftet. 1989 stand er an der Spitze des oppositionellen Bürgerforums, das einer der Initiatoren der Massenproteste der Bevölkerung war, die schließlich zum Sturz des kommunistischen Regimes führten.

Im Dezember 1989 wurde Václav Havel zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt. Mit der Teilung der Tschechoslowakei in zwei getrennte Republiken, die Tschechische Republik und die Slowakei, legte Václav Havel am 2. Juli 1992 sein Amt als Präsident der Tschechoslowakei nieder. Laut einer Meinungsumfrage vom Herbst des gleichen Jahres sprach sich mehr als die Hälfte der Tschechen für eine erneute Präsidentschaft Havels aus, und im Januar 1993 wurde Václav Havel zum Präsidenten der neuen Tschechischen Republik gewählt. Havel setzte sich für eine Mitgliedschaft der Tschechischen Republik sowie anderer ehemaliger Ostblockstaaten in der NATO ein.

Bei einem Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton in der Tschechischen Republik im Januar 1994 befürwortete er das NATO-Programm "Partnerschaft für den Frieden", das für die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Paktes einen Assoziierten-Status vorsieht. Zusammen mit seinem Nachbarn Deutschland förderte er die Aussöhnung mit den Sudetendeutschen und trug wesentlich zum Zustandekommen der Deutsch-Tschechischen Erklärung bei, die 1997 von den Parlamenten der Bundesrepublik und der Tschechischen Republik verabschiedet wurde.

1989 erhielt Václav Havel den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, und 1991 wurde er für seinen Einsatz für die Demokratie und den Frieden unter den Völkern mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.

Im Januar 1998 wurde Václav Havel von den beiden Kammern des tschechischen Parlaments für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt, allerdings erst im zweiten Wahlgang und mit nur knapper Mehrheit; in der Bevölkerung dagegen erfuhr Havel Meinungsumfragen zufolge weiterhin deutlich breitere Zustimmung. Das schlechte Wahlergebnis wurde als Vergeltung der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) interpretiert: Im November 1997 hatte Havel Ministerpräsident Václav Klaus von der ODS im Rahmen einer Staatskrise, die durch eine Spende ungeklärter Herkunft an die ODS ausgelöst worden war, zum Rücktritt aufgefordert - Klaus war der Aufforderung nachgekommen - wenig später hatte Havel die ODS, die stärkste Fraktion der Regierungskoalition unter Klaus, scharf kritisiert und für Fehlentwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich gemacht.

Ebenfalls 1997 heiratete Václav Havel die Schauspielerin Dagmar Veskrnová.

Im Januar 1998 berief Václav Havel eine bis zu den Parlamentswahlen im Juni 1998 amtierende Übergangsregierung mit Josef Tosovsky als Ministerpräsidenten, die er de facto selbst leitete. Bereits bei seiner Wiederwahl wurde allerdings bezweifelt, ob Havel der Belastung durch das Amt des Staatspräsidenten, als der er vielfach über seine verfassungsmäßigen Kompetenzen hinaus in das politische Geschehen eingriff, gesundheitlich überhaupt noch würde gewachsen sein. So musste er sich unter anderem Ende 1996 zwei schweren Krebsoperationen unterziehen und 1997 mehrere Lungenentzündungen überstehen.

Im Juni 1998 wurde Havel mit dem erstmals verliehenen Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. Aus den Parlamentswahlen im Juni 1998 ging die bislang oppositionelle Sozialdemokratische Partei (CSSD) als stärkste Kraft vor der ODS hervor; nach langwierigen Verhandlungen ernannte Havel, der einer CSSD/ODS-Koalition äußerst skeptisch gegenüberstand, im Juli eine CSSR-Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Milos Zeman.

Am 2. Februar 2003 endete seine zweite Amtszeit. Da der tschechische Präsident für höchstens zweimal fünf Jahre gewählt werden kann, wird Havel mit seinen 12 Amtsjahren als tschechoslowakischer und tschechischer Präsident wohl für längere Zeit einer der längstgedienten Präsidenten Tschechiens bleiben.

2003 wurde Havel für sein literarisches Lebenswerk mit dem Hans-Sahl-Preis ausgezeichnet. 2006 erhielt er den Brückenpreis der Stadt Regensburg. Havel wurde mehrere Male, das letzte Mal 2004, für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.



Zitate von Václav Havel


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