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Samuel Johnson

* 18.09.1709 - † 13.12.1784


Samuel Johnson wurde am 18. September 1709 in Lichfield als Sohn eines Buchhändlers geboren. Er besuchte zwar die örtliche Schule, bildete sich jedoch vorwiegend autodidaktisch fort. In der Bibliothek seines Vaters las und studierte er die Klassiker, die später einen großen Einfluss auf seinen Stil haben sollten.

1728 trat Johnson in das Pembroke College in Oxford ein. Er war ein außergewöhnlicher, exzentrischer junger Mann, der von verschiedenen Gebrechen geplagt wurde, an denen er bis ans Ende seines Lebens litt. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verließ er ohne Abschluss die Universität und erlitt den ersten von zwei Nervenzusammenbrüchen. Während dieser Zeit der Niedergeschlagenheit bildete sich durch die Lektüre frommer Literatur eine tiefe Religiosität heraus.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1731 arbeitete Johnson kurzzeitig als Lehrer in einer von ihm selbst in Lichfield gegründeten Schule. Einer seiner Schüler war der später berühmt gewordene Schauspieler David Garrick, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Im Alter von 26 Jahren heiratete Johnson die etwa 20 Jahre ältere Elizabeth Jarvis Porter, die ein gewisses Maß an Ruhe und Selbstvertrauen in sein Leben brachte.

Nachdem Johnson seine Lehrtätigkeit aufgegeben hatte, ging er 1737 nach London, wo er als Lohnschreiber für das "Gentleman's Magazine" arbeitete. 1738 wurde sein erstes bedeutendes Gedicht, das satirische Lehrgedicht London, anonym veröffentlicht. Es war ein sofortiger Erfolg, erreichte drei Auflagen und brachte ihm ein hohes Lob von Alexander Pope ein. Johnsons lange, klangvolle Verssatire "The Vanity of Human Wishes" (1749, Die Eitelkeit der menschlichen Wünsche) beruht auf der zehnten Satire des römischen Dichters Juvenal und gilt allgemein als Johnsons bedeutendste Dichtung. Sie markierte den Beginn einer intensiven Schaffensperiode. Anhand der Lebensläufe historischer Persönlichkeiten wie Galilei und Wolsey weist er in dem satirisch-philosophischen Lehrgedicht auf die Gefahren von politischem Ehrgeiz hin. Im folgenden Jahr gründete Johnson die Zeitschrift "The Rambler", in der er zwischen 1750 und 1752 eine beträchtliche Anzahl ausdrucksstarker und kenntnisreicher Essays über Literatur, Kritik und Moraltheorien veröffentlichte, in denen sich die gesellschaftlichen und literarischen Bedingungen seiner Zeit widerspiegeln.

Noch mit verschiedenen anderen Schriften beschäftigt und ständig von Armut bedroht, begann Johnson 1747 mit der Arbeit an einem größeren Projekt: Er verfasste ein Wörterbuch, das von einer Gruppe von Buchhändlern in Auftrag gegeben worden war. Nach mehr als acht Jahren der Vorbereitung erschien 1755 schließlich das "Dictionary of the English Language". Dieses außergewöhnliche Werk enthält etwa 40 000 Eintragungen, die von klaren, eigenwilligen, noch heute zitierten Definitionen und einer beachtlich großen Palette anschaulicher Beispiele erläutert werden. Das Werk fand großen Anklang und blieb lange Zeit vorbildhaft. Allerdings erleichterte sich Johnsons verzweifelte finanzielle Lage durch den Erfolg des Werkes in keiner Weise.

Trotz Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit gab Johnson zwischen 1758 und 1760 mit "The Idler" eine weitere Zeitschrift heraus. Aus finanzieller Not stellte er 1759 in Eile "Rasselas, Prince of Abyssinia" (Rasselas. Der Prinz von Abyssinien) fertig, eine Romanze in Prosaform über die Suche eines jungen Mannes nach einem glücklichen Leben.

Mit dem Erscheinen des Wörterbuches hatte sich Johnsons Ruhm endgültig gefestigt. 1764 gründeten er und der hoch angesehene englische Porträtist Sir Joshua Reynolds den "Literary Club", zu dessen Mitgliedern Persönlichkeiten wie Garrick, der Staatsmann Edmund Burke, die Dramatiker Oliver Goldsmith und Richard Brinsley Sheridan sowie der junge schottische Anwalt James Boswell zählten. Schon während ihrer ersten Begegnung im Jahr 1763 entwickelte sich zwischen Johnson und Boswell eine freundschaftliche Beziehung; in den nächsten 21 Jahren beobachtete und notierte Boswell minutiös die Gespräche und Aktivitäten seines Freundes. Boswells Monumentalwerk "Life of Samuel Johnson", eine der bedeutendsten Biographien, wurde 1791 veröffentlicht.

Das Trinity College in Dublin verlieh Johnson 1765 eine Ehrendoktorwürde in Zivilrecht. Im gleichen Jahr veröffentlichte er seine Shakespeare-Ausgabe in acht Bänden, mit einer genauen Erläuterung der Figuren der Stücke. Auch korrigierte er textliche Verfälschungen der Werke Shakespeares, erklärte die teilweise missverständliche Sprache und legte Untersuchungen über die von Shakespeare benutzten Quellen vor. Johnsons zweiter seelischer Zusammenbruch fällt in die Jahre nach 1760. Die große Gastfreundschaft seiner Freundin Hester Lynch Thrale gab ihm etwas Ruhe. Ihre "Anecdotes of the Late Samuel Johnson" (1786) liefern wertvolle Erkenntnisse über Johnsons geistige und psychische Verfassung in dieser Zeit der persönlichen Unruhe. Während seines Aufenthalts bei Thrale schrieb er auch eine Anzahl politischer Druckschriften, die seine Ansichten über die politische Moral zum Ausdruck brachten, wie "The False Alarm" (1770), "The Patriot" (1774) und "Taxation No Tyranny" (1775). Johnsons Schriften über die Verteidigung der Vernunft gegenüber den Tücken der unkontrollierten Neigungen und Gefühle betonen die Werte künstlerischer und moralischer Ordnung. 1773 unternahm Johnson gemeinsam mit Boswell eine Reise nach Schottland und auf die Hebriden, eine Reise, die er in seinem Bericht "Journey to the Western Islands of Scotland" (1775) lebendig schilderte.

Mit dem literaturkritischen Werk "The Lives of the English Poets" (Biographische und kritische Nachrichten von einigen englischen Dichtern) begann Johnson im Jahr 1778 sein letztes größeres Werk. Es umfasst zehn Bände und wurde 1781 fertig gestellt. Charakteristisch für dieses Werk, das ohne festes Schema oder Einheitlichkeit in der Struktur verfasst wurde, ist die unverwechselbare Mischung aus Biographie und Literaturkritik. Drei Jahre nach der Veröffentlichung, am 13. Dezember 1784, starb Samuel Johnson in London.



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